Politische Lyrik

 

Inhalt:

     

1.  Unteroffizier vom Dienst

2.  Großes schafft

3.   Welch frische Luft

4.   Es steht ein Mensch

5.  35 Jahre DDR

6.  Der Flug der Taube

7.   Ensemble "Solidarität"

8.  Ökokalypse

9.  Mensch und Gesellschaft

10. Wende

11.  40 Jahre DDR

12.  Giftmüllsaga

13.  Freiheit?

14. Gedanken am Morgen

15. Banges Licht im Dunkeln

16. Arbeitsunfall

17. Ballade vom kleinen Geld

18. Mal wieder

19. Nippon nippt

20. Ritterlich II

21. Arabischer Winter98

22. Bedrohte Welt

23. Wanderer

24. Der Apfelbaum

25. Aus der Geschichte lernen

26. Entfremdung

27. Wald im Finstern

28. Du meine Güte, Aluhüte

29. Ebbe in der Steppe

30. Resignation

31. Voting America

32. Veränderungen

33. Stadtverkehr

34. Das Inneninnen

35. Auf des Berges Spitze

36. Busverkehrt

37. Zur Bundestagswahl

38. Wer wen?

39. An dies

40. Zukunft im Spiegel

41. Ödipus

42. Der Blick nach Osten

43. Ohne Sinn und Verstand

44. Warum greift der Putin an?

45. Tausch und Handel

46. Abrüstung

48. Hilflos

49. Eiertanz

 

 

 

 

Unteroffizier vom Dienst

Vom Rauch umzogen -
Von Musik umlagert -
Von Alkohol benebelt -
sitzend über einem Buch -
der UvD.

Vom Offizier gescholten -
Vom Uffz belegt -
Die Uhr bestarrend -
und Tagedrücken -
der UvD.

Zum Dienstschluß hoffend -
Schlaf in den Augen -
Essenzwanglos -
und Ruhe die letzte Stund' -
der
UvD
.

[1979]

Großes schafft

Großes schafft der Geist,
schafft er es frei und ungezwungen.
In Unfreiheit und Zwang
nur Verzerrung und Wahnsinn.

Großes zu schaffen ist der Sinn.
Großes zu schaffen der Intelligenz Aufgabe
Eingeengt ist nichts zu schaffen
Nur Verzerrung und Wahnsinn.

Drum schaffe Du Großes,
gleich wer und wo du aus seist.
In Gefangenschaft bist du nichts,
Nur Verzerrung und Wahnsinn.

[1980]

Welch frische Luft

Oh, welch frische freie Luft
erquickend einzuatmen
nach der Krankheit schweren langem Tag
und der erdrückend mehrjähriger Pein
in der Jugend Grab.

Nun denn, lasset nehmen auf
der Freiheit hohem Glanz
und sauget ein
und ziehet eure Bahn
dem Vogelfluge gleich
durch Wiesen und durch Au'.

[1980]

Es steht ein Mensch

Auf dem Bahnhof
zum Zuge der Zeit
steht ein Mensch,
zum Leben bereit.

Er steht
auf festen Beinen.
Steht für Fremde
und für die Seinen.

Wartend auf Kommendes,
des Wissens bewußt.
Geboren in Freiheit,
an der Zukunft Brust.

Durch Triebe und Liebe,
erzogen der Welt,
und ohne Angst
vor dem, was zählt.

[1982]

35 Jahre DDR

Fünfunddreißig Jahre DDR:
eine Zeit der Pläne,
der Arbeit
und des Glücks;

eine Zeit des Lernens
für heute und morgen.

Gestern noch Umbruch
und Aufbrauch
und heute schon
auf festen Beinen
in eine neue Zeit.

[1984]

Der Flug der Taube

Picassos Taube fliegt mutig voran,
von Spanien her, das Feuer im Bann.
Sie erblickte Moskaus goldene Türme
und in Stalingrad der Helden Stürme.
Und als der Frühling kam ins Land,
sie die Fahne ins Gestein gerammt.
Gestein war nur nach Hiroschimas Glut.
Der Taube, der Weißen, gefror das Blut.
Es stürzt sie hinab aus freien Höh'n,
um heutzutag' die Bombe zu seh'n,
Ihr Leute dort, in Washington,
gedenkt der Tochter, gedenkt dem Sohn
Daß nicht sie fallen, wie der Taube Flug;
Daß nicht sie sterben, durch euren Betrug!
Und alle ihr Menschen der Welt,
fangt auf die Taube,die den Frieden erhält.
Besonders du, Jugend der Welt,
bewahre die Erde, die das Leben erhält.

[1985]

Ensemble "Solidarität"

Die Mikros steh'n, die Boxen auch,
Instrumente wohlgestimmt,
und flüsternd, sehr erwartungsvoll,
ein Rund, das Kunst einnimmt.

Aus siebzehn Ländern kommen sie.
Sie lernen hier Verstand -
Studenten aus der ganzen Welt
und unsrem Vaterland.

Nun heute, fünfzehn Jahre jung,
versammelt ist es hier;
Ensemble Solidarität.
Gemeinsam singen wir.

Die Menschen eint ein weites Band,
das um die Erde zieht.
Wir sind nicht mehr alleine da.
Steht auf, singt unser Lied!

Sie treten auf im weißen Kleid
und singen wunderschön,
Des Volkes Liebeslied für uns,
die Hellas aus Athen.

Europas erste Staatenbild,
verrauscht vor langer Zeit.
Der Türken Joch, Faschistenwahn.
Jetzt ist es auch befreit.

Folklore reißt die Herzen hoch,
der Zeiten, Länder Glanz.
Die Volksmusik für jung und alt.
Tonkrug spielt auf zum Tanz.

Die Kultur! Die Kunst! Das Erbe!
So viel uns geben sie.
Auf ihrem Pfad zu wandeln
heißt: Wir verzagen nie!

Die Mutigen mit schwarzem Haar,
sie zeugen vor uns da.
Die Lebensfreude Vietnams
schallt laut aus Asia.

Es hatte dreißig Jahre Krieg,
das Land am Meer so klein.
Imperium und USA -
sie brachen es nicht ein.

Die Stimmen schallen laut und stark.
Ganz ohne Ach und Weh.
Wir alle sind mit ihnene eins.
Der Gruppe A N C.

Am Kap da liegt ein fremdes Land.
Ein Schwarzer zählt dort nicht.
Ben und Steve sind nicht mehr da,
doch Nelson sieht bald Licht.

Ihre Heimat brachten sie uns nah,
Alerce aus dem Chile.
Und als dann "An die Freude" erklang,
sangen sie für viele.

Das Andenvolk, es ist so fern.
Ihr Kampf bringt es uns nah.
Venceremos, Companeros!
Der Sieg ist für euch da.

Der Beifall endet nicht im Saal.
Freundschaft ist Parität!
Verbundenheit der Völker heißt
heut' S o l i d a r i t ä t !

[1985]

Ökokalypse

Nebel senkt sich
schwer hernieder.
Auf den Kopf
und auf die Glieder
und die Lunge -
Atemnot!

Bäume sterben,
Tiere fliehen -
und die Menschen?
Sieh! sie ziehen
in den eignen
Ökotod!

[1990]

Mensch und Gesellschaft

Solange der Mensch nicht
wie eine Mutter zum Kinde
zu seiner Gesellschaft steht,
wird Geschwür er sein
in dieser Gesellschaft,
nicht Mensch.

[1992]

Wende

Oh, jetzt bin ich da,
im Westen.
Ist das alles wahr?
Zum besten
stand es noch nie
und jetzt
beugt ich die Knie
verletzt;
seit sieben Jahr.

[1997]

40 Jahre DDR
oder Ein fragmentarischer Rückblick

Verschwommen durchlebt
von Gefühlen erhebt
der Realität entschwebt
und zweifelnd verhebt

Die alte Garde
im Stillstand harrte
erblindend warte
und zweifelnd starrte

In Theorie verirrt
beim Versuch beirrt
durch Chancen verwirrt
und zweifelnd geirrt

Im Wandel verloren
ungläubig geboren
dem Alten verschworen
und zweifelnd erkoren

Auf letzten Spuren
mit stehend Uhren
zu neuen Huren
nicht zweifelnd fuhren

[1998]

Giftmüllsaga

Hinterm Giftmüllwerk
steht ein Giftmüllberg
und ein Giftmüllzwerg
geht spazieren.
Sucht sich Giftmüll raus,
um im Giftmüllhaus
seine Giftmüllmaus
zu verführen.

Schon seit langer Zeit
ist er stets bereit
auch wenn's sauer schneit
sich zu küren.
Einst aus Schutt geklont,
nun im Abfall wohnt
und auf Halden thront
mit Allüren.

Seine Plastiknas'
kann im toten Gras
manches heikle Gas
inhallieren.
Was wird das für'n Fest,
wenn der letzte Rest
sich recyceln läßt,
transformieren.

[1999]

Freiheit?

Es war ein Mann,
der spränge gern
in brennend Öl.
So band man ihn
mit festen Stricken.
Doch schnell erhob
sich ein Geschrei,
nach Freiheit,
bis die Stricke rissen.
Kaum war er frei,
versank er schon in Flammen
und schrie entsetzt:
Au wei'! Au wei'!
Was hab' ich angefangen?

[9. November 1999]

Gedanken am Morgen

 


Und dann ist es wieder Morgen und ich sitze still beim Brot

und vor einer Tasse Kaffee; draußen glüht das Morgenrot.

Und das Radio spielt leise. Doch für mich wird’s langsam Zeit.

Noch die Nachrichten von heute, denn mein Arbeitsweg ist weit.

 

Dennoch schweifen meine Sinne durch die große, weite Welt.

Gehen dann weit weg vor Anker, wo nur selten Regen fällt.

Und ich denke an Gefühle, die so gar nicht meine sind.

Denke dann an Machtgefüge; wissend: Gier danach macht blind.

 

Blind für alles, was die Menschen froh und glücklich werden läßt.

Und im viel beschwornen Hause hält der Neid ein trefflich Fest.

Derer gibt es gar nicht wenig, deren Ämter sind ihr Los.

Und im eignen Land, im Dunste ihres Schattens sind sie groß.

 

Grade jetzt wächst die Bedrohung wieder riesenhaft heran.

Vom Diktat ist da die Rede und Gewalt nach nebenan.

Jener Wüstenfürst im Süden hat erpicht sich zum Despot

und zum Zentrum seiner Sphäre und sein Volk muß leiden Not.

 

Also wäre es verständlich und gar löblich von der Welt

wenn sie diesem Einhalt böte, ihn in Acht und Bann gestellt.

Freilich tauchen auf noch Fragen, die nicht nur die meinen sind.

Fragen nach der Wahl von Mitteln, deren Ausmaß Zwang bestimmt.

 

Wieder scheiden sich die Geister. Suchen nach der starken Hand

hier die einen und die andern mühen zweifelnd um Verstand.

Nichtens ist es heute einfach, einer Seite sich zu stell’n.

Es ist ganz gehörig schwierig wenn die Hunde konträr bell’n.

 

So denn bleibe ich alleine. Denke mir nur meinen Teil.

Hieße dies auch abseits stehen. Besser als am gleichen Seil.

Denn nicht plötzlich ist erschienen dieser böse Wüstenmann.

Haben sie ihn nicht gehoben erst auf dieses Machtgespann.

 

Niemand wird es wohl behaupten, daß allein er sich so gibt.

Viele Seinesgleichen führen ähnlich schrecklich. Es geschieht!

Sehr zerschunden ist die Erde, die für uns doch Heimat heißt.

Sehr zerschunden all die Völker, wie uns Ehrlichkeit beweist.

 

Weshalb, frage ich nun zögernd, schreit die Welt verblendet auf,

Wenn es gilt den Chef zu bannen hier. Den Andren freien Lauf!

Gibt es da nicht Erdölfelder? Oder einen heißen Platz,

im weltweiten Kriegsgespiele? Jedes Staubkorn wird zum Schatz.

 

Also frage ich mich weiter: Wer ist mit dem Finger dran?

Wer spielt liebend gern Trompete? Wessen Streichholz zündet an?

Ungern schimpfe ich vermessen fremde Richter Lügenbold.

Doch die Zeit wird es uns zeigen, was von ihnen ward gewollt.

 

Jene Zeit, die ich erhoffe unserm schönen Menschentraum

von dem Frieden, der verbindet uns zu einem Lebensbaum.

Hoffnung heißt die schwache Zehrung, die tagsüber mir im Sinn.

Komme ich am Abend heimwärts und blieb Frieden – Hauptgewinn.

 

[2003]

Banges Licht im Dunkeln

 

Die Hoffnung hat getrogen –

Die Bomben sind geflogen

Und fliegen jetzt noch immer

Und ohne Hoffnungsschimmer

Vergehen blutig Tage

Kaum Antwort auf die Frage

Nach Frieden auf der Welt

Dem nicht nur fehlt das Geld

Dem fehlt es an der Kraft

Als Gegenpol er schafft

Es nicht dem Kriege zu verwehren

Das Unheil zu vermehren

Auf unsrer Weltzeituhr

Sind Tod und Teufel stur

Und suchen ganz verbissen

Das was wir heut vermissen

Der Zukunft frohes Licht

In Dunkelheit es bang zerbricht.

 

[2003]

 

Arbeitsunfall

 

Was vom Dache hängt hernieder

senkt sich tief in Schädels Mieder

und läßt sprudeln rotes Blut.

Ach, wie weh der Kopf mir tut.

 

Schnell der Weg ist aufgenommen

um zum Arzte hinzukommen.

Dieser, mit geübtem Stich,

näht nun zu, wo ´s Blut entwich.

 

Später sitz ich dann allein.

In der Hand den Krankenschein

der Genesung mir verspricht.

Freilich glücklich bin ich nicht.

 

Denn was sollen die Papiere

Hilfe schenken im Quartiere

Mir zu dieser schweren Zeit;

wär zur Arbeit doch bereit.

 

Lohn und Brot wird es nicht steigern,

wenn der Chef sich auch nicht weigern

kann und Euros zahlen muß,

bleibt doch dennoch nur Verdruß.

 

Also paß du auf beim Werken,

daß die Säfte sich verbergen

im beschützten Körper drin.

Denn nur dies gibt Arbeit Sinn.

[2005]

 

Ballade vom kleinen Geld

 

Als vor vielen tausend Jahren

Urmensch Fuchs hat neu erfahren,

daß ‘ne Muschel auf der Welt

viel mehr als ein Sandkorn zählt,

zog er fort von seiner Wiese

um zu finden, tauschen diese.

 

Alsbald fand er in den Weiten

der noch unbekannten Breiten

manche wenig kluge Schar,

die er nutzte für sich gar.

Für ihn gern gesehene Leute,

um zu nehmen sie als Beute.

 

Als dann aus besagten Zwängen

konnten sich die Reichen drängen

an das Steuerrad der Macht,

war ein neuer Drang erwacht,

der das Geld ließ heftig rinnen,

um mehr Reichtum zu gewinnen.

 

Also suchten aller Orten

schwarze wie auch Goldne Horden

Hab und Gut von fremder Hand

anzueignen ungalant.

Denn es sind zu harte Zeiten,

um nur Wohltat zu verbreiten.

 

Als man schuf dann bunte Scheine,

zu ersetzen goldne Steine,

die zu schwer im Mantelsack

und auffällig auch im Frack,

konnte man das Geld vermehren,

um zu frönen eignen Ehren.

 

Als ob dies noch nicht genüge,

man sich gegenseitig trüge

mit dem allbekannten Satz

von der Taube und dem Spatz.

Dieses läßt sich sicher sagen,

um zu raffen, um zu wagen.

 

Als das Heute angebrochen

wieder neu vor tausend Wochen,

findet jeder seinen Raum

auf dem neuen Ständebaum.

Wer da hat, kann sorglos tanzen.

Wem es fehlt, trägt schwer am Ranzen.

  

Als ich einmal selber suchte,

ob mein Kontostand verbuchte,

was an Werten mir zu stand,

sah ich reichlich leeres Land.

Doch was hilft mir alles Klagen,

muß mein Ränzel weiter tragen.

[2010]

 

Mal wieder

 

Mal wieder saust der Wüstensturm

durch vieler Herren Länder.

Mal wieder bindet der Kriegsgott

manch blutige Gewänder.

 

In Afrika regiert der Mob,

hätt früher man geschrieben.

Heut nennt man Freiheitskämpfer sie,

die sich in Hoffnung wiegen.

 

 Nichts liegt mir ferner als dem Volk,

das um sich zu beweisen

das Schicksal in die eigne Hand,

sich nimmt, die Chance zu entreißen.

 

Arabien steht in Flammen heut,

wie einst vor hundert Jahren.

Was daraus wird und wer sich freut,

wird später man erfahren.

[2011]

 

Nippon nippt

 

Im Osten bricht die Erde auf,

dort wo die Sonne ihren Lauf

an jedem Tage früh beginnt.

Der Druck schiebt Japan kreuz und quer,

viel schlimmer noch, vom nahen Meer

eine gewaltig Welle rinnt.

 

Und nichts hält diesem Wasser stand.

Was einst geblüht am fernen Strand

wird haushoch weggespült.

Nur Trümmer bleiben jetzt zurück

und mit viel mehr als etwas Glück

hat die Atomkraft ausgespielt.

 

Zu tausenden das Leben weg

auf diesem leidgeprüften Fleck,

der schon mal nuklear gekippt.

Als Mahnung stand Hiroshima

seither für alle Menschen da.

Nun wird erneut am Kelch genippt.

 [2011]

 

Ritterlich II

 

Ein Ritter ritt ganz ritterlich
zu Fürchtegott und fürcht' sich nicht.
Dort an den alten Schranken, Pforten
bewarfen sie sich nicht mit Torten.
Sie nahmen Streitaxt, Schild und Speer,
zu wahren Leben, Gut und Ehr'.

Doch als der Tag dann war zu Ende,
enthüllten beide ihre Hände
und schlugen sich auf ihren Magen:
"Ein Faß voll Wein könnt' ich vertragen."

So sah es oft bei Ritterns aus.
Sie liebten Kampf und Wohlstandsschmaus.
Doch ging es mal um kleine Leute,
war'n faul sie, wie die Herrn von heute.

 [2011]

 

Arabischer Winter

 

Aus Frühling wurde blutig Winter.
Der nimmt sich Männer, Frauen, Kinder.
Was einst war Mensch, scheint nun ein Wurm;
gekrümmt, zerzaust im Wüstensturm.

So viele müssen Not erleben
und ins entfernte Ausland streben.
Sie bluten Öl und Taktik aus
für manch Geschäft im fremden Haus.

Jetzt hier an westlichen Gestaden
benennt man sie lieblos als Maden,
die unrechtmäßig leben wollen
und ihrem Schicksal flüchtend grollen.

Dabei bezahlen sie nur das,
was global füllt der Reichen Faß.
Die ihrerseits im trüben fischen
und unsereins manch Mär auftischen.

Auch wenn Muslime anders glauben,
darf niemand an der Freiheit schrauben.
Die Erde hat für jeden Platz
und Leben ist der größte Schatz.

[2016]


Bedrohte Welt

 

Ich glaub, die Welt wird ganz verrückt!
Derweil der Heuchler lacht entzückt
wenn er die neuste Nachricht liest
und all das Chaos kalt genießt.

Die Mächtigen auf hoher Spitze
sind gierig nach der kleinsten Ritze
von unser aller Müh und Plag
und werfen ’s raus an jedem Tag.

Doch nicht nur wir hier müssen mühen,
Kastanien aus dem Feuer ziehen.
Auch andren Orts auf dieser Erde
rafft Geld man aus der Menschenherde.

Wen wundert‘s, daß geschundene Massen
genötigt sind, es zu verlassen
das eigene Heim, das Vaterland.
Tödliche Not bricht Kopf und Hand.

Und wenn ein wenig beßres Leben
woanders ihnen ist gegeben;
wer wollte hart sie verurteilen
wenn sie im Kummer nicht verweilen.

Hingegen gibt‘s an manchem Orte
Personen ganz besondrer Sorte.
Sie nutzen die Gelegenheit
zu hetzen gegen Menschlichkeit.

Auf ihren Bannern steht zu sehen,
daß ihre Fahnen rückwärts wehen.
Was einst die Welt hat fast zertrümmert,
den Schreihals heute nicht viel kümmert.

Der braune Geist, so scheint es mir,
erwacht von neuem jetzt und hier.
Nicht nur in Worten, auch in Taten
erscheinen neue Sturmsoldaten.

Drum steht entgegen mit Courage,
daß nicht der Kampf wird zur Blamage
für eine friedensvolle Zeit
in Deutschland und europaweit.

Europaweit und auch global.
So hat man heute keine Wahl.
Herrscht nur in einem Land der Tod
ist doch die ganze Welt bedroht.

 

[2018]

Wanderer

 

Was rumpelt da durch tiefe Pflasterpfade?
Welch Truppe trifft bei noblen Bürgern ein?
Woher sie kommen, welcher Art Gestade,
wird man erkennen mit dem ersten Schein.

Was wollen sie in unsre Welt eindringen?
Wer gibt den Vagabunden dieses Recht?
Wenn sie von Einheit und der Freiheit singen,
wird da nicht jedem braven Manne schlecht?

Was wohl bezwecken sie mit ihren Wagen?
Was mit anstößigem Brimborium.
Wir können es wohl unumwunden sagen,
weil wir es wissen. Deshalb und darum!

Wenn wir das eigen Hab und Gut erhalten,
weil froh wir sind, daß Gott uns hat bedacht,
warum sollen wir nicht dem ewig Alten
was zugestehn? Weil‘s uns zu uns gemacht.

Was springen sie jetzt rum wie tolle Katzen,
wie grade erst dem Irrenhaus entflohn?
Wie schamlos machen selbst die Kinder Faxen?
Wo ist die Zucht und wo der Ordnung Lohn?

Wer kann bestreiten, sobald alle schlafen,
wenn sich die Stadt erneut ins Dunkel hüllt,
wenn trennen sich die Bösen von den Braven,
wie sich dann manche Räuberkiste füllt?

Was ist da los? Warum rennen die Leute,
welche vor kurzem noch den Mummenschanz,
welcher nur Einfalt und Unzucht erfreute,
wahrnahmen, als sei es ein frommer Tanz?

Was schreien sie vom riesengroßen Feuer?
Wer hilft und wessen Leben in Gefahr?
Wem ist der Einsatz wahrlich nicht zu teuer?
Wo ist das Kind, das grad mal sieben Jahr?

Wie schreit der Vater, barmt die arme Mutter,
wie händeringend zu den Himmeln rauf.
Wer aber wär schon gerne Flammenfutter,
wenn man entgehen kann der Parzen Lauf.

Wir alle stehen weiterhin gebunden,
wie tumbe Lämmer vor dem Schlachterbeil?
Wohin ist nur der Gaukler schnell verschwunden?
Was wollte er mit Stange und mit Seil?

Wie blendend heiß die lodernd Flammen schlagen!
Wie aus dem allertiefsten Höllenschlund!
Wie wird man um das kleine Kind nun klagen,
weil es gerissen aus der Eltern Rund.

Wieso nur haben alle hohen Götter,
warum das Schicksal sie zerstört?
Weil heute wir hier jene fremden Spötter
walten und schalten ließen? Ungestört?

Was sollen wir hier ohnmächtig noch warten?
Wer kümmert sich um unser eignes Heim?
Wenn später dann die Spendengänge starten,
werden wir helfen. Das muß wohl so sein.

Wartet noch! − Halt. Da zeigt sich eine Stange,
woran ein Seil gekonnt befestigt ist.
Worauf ein Mann mit Kind nicht schaut erst lange,
weil Satans Glut bereits am Umhang frißt.

Wie wir es oft im Varieté gesehen
wirft er das Seil mit eingeübter Hand
weit zu den Häusern, welche jetzt noch stehen,
weil sie verschont der ungelöschte Brand.

Welch Kraft läßt nun den Retter jener Kleinen
wie einen Held die Straße überquern?
Wo sich alsbald die Glücklichen vereinen.
Weshalb man auch den Mutigen kann ehrn.

Sollten wir nun aus jenem etwas lernen?
Es ist die Dummheit, die das Sein einengt.
Von einem kann sich niemand weit entfernen.
Das Leben selbst ist‘s, das den Schein verdrängt.

Denkt freilich wer, dies Urteil mag nicht binden,
der kennt die Meinung braver Bürger schlecht.
„Bei Disteln kann man mal ‘ne Rose finden.“
Als Merkmal sind die Dornen ihnen recht.

Ein welches Kainsmal hat das fremde Wesen,
daß alles Schlechte man ihm zugesteht.
Hingegen konnte man was Gutes lesen:
„Die Ausnahme, wovon die Regel lebt!“

Kann man denn alle Menschen nicht gleich sehen,
auch wenn sie etwas unterschiedlich sind?
Sollte sich einer leisten ein Vergehen,
geht es um ihn! Justitia, zeig dich blind.

 

[2019]

Der Apfelbaum

 

Ein Apfelbaum stand unbenutzt
im Walde frei zugänglich.
Da kam der Max und hat gestutzt
und dachte unverfänglich,
er könnte schon zur Erntezeit
die herrlich schönen Früchte
an einem Tag, der nicht mehr weit,
sich schnappen trotz Gerüchte.

So holte er nach ein paar Wochen,
die Äpfel ab, um einzukochen,
um sie zu musen, sie zu mosten;
weil außer Arbeit sie nichts kosten.

Das alles hat ihn sehr erfreut.
Nahm sie in seinem Sinne.
War gestern frei und war es heut.
Tat ’s nicht für fremde Stimme.
Doch schien bereits im nächsten Jahr
der Aufwand ihm zu mächtig.
Wie wär es mit ‘nem Dienerpaar?
Der Nutzen doppelt prächtig.

Den Franz hat er zuerst genommen,
weil der bei ihm vorbeigekommen.
Auch Fritz hat nur kurz nachgesonnen,
um zu erahnen Lohnes Wonnen.

Die ersten Jahre lief es glatt.
Ein jeder war Kollege.
Dann hatte Franz und Fritz es satt.
Das Dreigestirn lag schräge.
Warum sollten die Äpfel sie
für Fallobst runter pflücken?
Der Lohn gering, er reichte nie.
Den Max müßt man wegdrücken.

Es konnte Franz von jeher planen
und manches neue auch erahnen,
drum tat er den Prozeß auch leiten
und nahm den Vorsitz schon beizeiten.

Nun stand der Fritz allein im Baum,
während der Franz sortierte,
was für die beiden noch ein Traum;
der später funktionierte.
Jedoch der Fritz, der dachte sich,
was ich hier oben mache,
das ist so anders wirklich nich‘,
als es war Maxens Sache.

So hat der Fritz den Franz vertrieben
und Max wieder herbei geschrieben,
er soll den Baum doch zurücknehmen.
Wer das dann ändert, soll sich schämen!

 

[2019]

Aus der Geschichte lernen

 

Vor vielen, vielen tausend Jahren,
das kann man kinderleicht erfahren,
wenn man in ein Museum geht
und in die vielen Ecken späht,
sah manches wahrlich anders aus,
als heutzutag im Irrenhaus.

Zwar könnte man dies wage dulden,
verdrängen gar die nächsten Schulden,
die wir den Enkeln überlassen,
was eigentlich ist nicht zu fassen,
doch schlimmer noch als diese Fernen
ist, daß wir scheinbar gar nichts lernen.

Noch nicht mal hundert Jahr ist’s her,
da lag die Welt in Trümmern sehr,
auch da hat man sich nicht besonnen
und lauthals mit dem Fluch begonnen,
dem heute wieder manche folgen;
blindlinks, nicht sehend dunkle Wolken.

Als junger Mensch hab ich gedacht,
es wär vorbei jetzt mit der Nacht,
in welcher sich braune Gestalten
nicht an das Allgemeinwohl halten
und nur vereinzelt gäb ’s noch Sachen,
die unserm Frieden Ärger machen.

Doch Schritt für Schritt hab ich erkannt,
so einfach ist es nicht im Land,
nicht einen Tag darf man ausruh‘n,
noch vielmehr muß man heute tun,
das Grausamkeiten nicht geschehen
und wir erneut am Abgrund stehen.

[2019]

Entfremdung

 

Die Welt verfällt heut immer mehr
In Chaos und Verrohung.
Mit Anstand ist es nicht weit her
Und ständig wächst Bedrohung.
Die Sprache gleitet schier bergab
Ins unsagbar Vulgäre,
Bricht ungefragt den letzten Stab,
Vergöttert die Chimäre.


Nicht immer war der Nachbarschaft
Man jederzeit gewogen.
Doch heute wird mit voller Kraft
Berauschend blankgezogen.
Wo geht das hin, fragt man naiv.
Wie soll das alles enden?
Antworten bleiben krumm und schief.
Solang wir uns entfremden.


[2020]

Wald im Finstern

 

Wie düster ist es jetzt im Wald.
Kein Frühling hat so eine Chance.
Von rechts her weht es grausig kalt.
Nur schwer hält ’s Klima die Balance.

Gestrüpp sieht man ins Unkraut schießen.
Die bunten Blumen bleiben weg.
Was soll der Wandrer daraus schließen?
Versinkt das Land erneut im Dreck?

Vor neunzig Jahren, da gedieh
bereits einmal solch schlimmer Moder.
Im Nachhinein, so schwor man. Nie
sollt wiederkehren dieser. Oder?

Vielleicht, so denk ich mir im Stillen,
hat’s grade noch für ’n Schnitt gereicht.
Vielleicht mit Maß und gutem Willen,
auch wenn dies wird nicht immer leicht.

[2020]

Du meine Güte, Aluhüte


Mir schwant, so mancher Aluhut
tut seinem Träger gar nicht gut.
Anstatt ihn wie geplant zu schützen,
verschließt er ihm die letzten Ritzen
in seinem leeren Oberstübchen.
Der bleibt ein armes Mauerbübchen.

Kommt dann hinzu die flache Erde,
verblödet schnell die ganze Herde.
Rennt jedem irren Schreihals nach,
so er nur mit der Wahrheit brach.
Verliert das letzte Gramm Verstand.
Geistlose Zombies, Hand in Hand.

[2020]

Ebbe in der Steppe

 

Ein altes Land, ich weiß nicht wo,
da waren einst die Bürger froh.
Sie lebten, je nach Hausgebrauch
mal reicher und mal ärmer auch.

Es gab in der Geschichte Krisen,
die auf verschiedenes hinwiesen.
Erst zogen Ritter durch das Land,
bis daß man Industrie erfand.

Aus Bauern wurden Arbeitsheere
von einem bis zum andren Meere.
Auch Kriege gab’s mit Nachbarländern.
Zum Glück, man konnte dieses ändern.

Jetzt denkt man, daß aus diesen Dingen
die Menschen Weisheiten erringen.
Daß sie sich ihrer Welt erfreuen
und steten Frieden nicht bereuen.

Selbst wenn an manchen schweren Tagen
mitunter stell’n sich heikle Fragen,
so wär es nicht zuviel verlangt,
daß man sich nicht um Peanuts zankt.

Nun aber fiel in diesen Weiten
kaum Regen noch seit vielen Zeiten.
Das Gras steht gelb, hoch bis zum Schenkel.
An’s Grün erinnert sich kein Enkel.

Hinzu kommt, daß in fernen Landen
Rauchsäulen ihren Ursprung fanden
in sehr verstreuten Feuernestern.
Wen’s nicht betrifft, der kann gut lästern.

Doch Stück für Stück komm’ Gluten näher,
verkünden täglich Boten, Späher.
Die stammen aus gewissen Kreisen,
die sonst auch in die Welt verreisen.

Jetzt muß der Staat drauf reagieren,
will nicht das Land er ganz verlieren.
War er auch in Vergangenheit
nicht immer klug, nicht grad gescheit.

Zumal die Wissenschaftler meinen,
die Feuer werden bald erscheinen.
Soll Phlegmatismus sich nicht rächen,
muß man bewässern große Flächen.

Nur Speicher haben auch ihr Ende
und so gibt es bald eine Wende
im allgemeinen Wohlstandswahn.
Man spürt des Wandels ersten Zahn.

Nicht muß man Nötiges beschränken,
allein an morgen sollt man denken.
Verschwendet Wasser man hingegen,
kommt’s dem Inferno ganz gelegen.

Doch überzeuge nun die Massen,
daß sie sich einmal leiten lassen
von allgemeiner Mäßigung.
Schon kommt der Widerstand in Schwung.

Es treten auf die Minderklugen,
die früher kaum Anteile trugen
zur täglichen Glückseligkeit;
wonach derzeit der Geizhals schreit.

Die einst so Politik verdrossen,
verbreiten jetzt gar manche Zossen,
verbinden sich im Stußgedränge
zu einer gruseligen Menge.

Letztendlich Kräfte sind gebunden,
die helfen müßten viele Stunden
den ersten Opfern der Gewalt
von Feuersbrünsten ohne Halt.

All dieses würd ich gern beschreiben,
als täte es im Märchen bleiben.
Doch leider ist’s dafür zu spät;
das Chaos längst Realität.

So kann man wirklich nur drauf hoffen,
daß die Natur noch einmal offen
ihr Herz zeigt jener Menschenschar,
die ihrerseits oft Schandfleck war.

[2020]

Resignation


Leute, Leute! Ich werd irre,
wenn ich mir die Welt anschau.
Oder sind die Menschen kirre?
Hau’n einander grün und blau.

Kaum ’ne Spur von füreinander,
nicht die kleinste Akzeptanz.
Blind und taub und durcheinander
vor dem allerletzten Tanz.

Die Sumerer und Ägypter,
Griechen, Römer, Dschinghis Khan,
waren anfangs alle Hipster,
bevor sie den Abgang sahn.

Steht nun heut an dieser Schwelle
unsre ach so schöne Zeit?
Gibt es eine neue Delle;
ist historisch man bereit?

Oder reißt der ganze Irrsinn
alles Leben mit sich fort?
Was nur bringt uns dieser Wahnsinn?
Bald ’nen traurig toten Ort.

[2020]

Voting America

 

Es tropft und tropft,
man kann nicht wissen,
wohin das Maß sich letztlich neigt.

Noch wartet man
und möcht ’s fast missen,
wenn fernab wird die Chance vergeigt.

Mir steht nicht zu
den Pfeil zu hissen,
der auf die bessren Wege zeigt.

Bevor man stöhnt,
denk ich beflissen,
ist es wohl besser, daß man schweigt.

Der Grund bleibt gleich.
Nichts wird zerrissen,
wie weit sich auch die Schere zweigt.

Nur, was dann kommt,
ganz ohne Kissen,
sieht man, wenn’s auf das Podium steigt.

[2020]

Veränderungen

 

Nanu, wer schreit denn da kreuz quer
auf Straßen, Plätzen; geht einher
mit allerlei verwirrten Sinnen?
Die einen wie die andren suchen
Aufmerksamkeiten zu verbuchen.
Verstand scheint flugs davon zu rinnen.

Man spricht von fremden Kapriolen
und wie sie uns die Heimat holen,
grad wie das allerletzte Hemd.
Oder daß unheimliche Mächte
in einem düsteren Geflechte
mit Zwang die Welt uns machen fremd.

Besonders die, die aus dem Süden
uns suchen heim und dann hier wüten,
bringen das Volkstum in Gefahr.
Und wie dann unsre alten Werte
verkümmern in der fremden Herde,
das sieht man täglich Jahr für Jahr.

Nun freilich, das hat’s schon gegeben.
Das Alte starb durch neues Leben,
das mit Gewalt ins Land einschreitet.
Vor etwa hunderttausend Jahren
als noch Neandertaler waren
in Alt-Europa weit verbreitet,

da wanderte aus Afrika
ein neuer Mensch und als er da:
Des Talers Genozid unweit.
Der Sapiens hat dominiert
und gleich, ob er im Eise friert,
baut er sich eine neue Zeit.

Dann ward es wärmer rings im Land.
Die Menschen suchten nach Verstand
und schufen sich manch Stammkultur.
Bis daß die Römer sich aufmachten
und ihre Götter gleich mitbrachten,
und auch Gesetze neu und stur.

Dann plötzlich, wer hätt‘ das gedacht,
kam aus Nah-Ost fast über Nacht,
ein neuer Glaube angestürmt.
Das freie Leben der Germanen
erstarb, weil alle unsre Ahnen
vor dieser neuen Macht getürmt.

Das neue Leben zog sich hin.
Für Reiche gab’s noch mehr Gewinn,
wenn man aufbrach in ferne Weiten.
Was die Entdecker daraus machten
und was sie alles heimwärts brachten,
ließ Traditionen oft entgleiten.

Doch auch die Welt weit weg von hier
verändert sich. Verdenkt man’s ihr?
Vielseitig zeugt ein jeder Schritt.
Was daraus kommt, das muß man sehen
und hoffentlich sorgsam verstehen,
daß niemand ohne Schuld drum litt.

Wenn freilich ich den Tag betrachte
und sehe, was man daraus machte,
dann wird mir langsam Angst und bang.
Auf alte Gegner muß man hoffen,
weil Unverstand sich zeigt nun offen
und Dummes zieht an einem Strang.


[2020]

Stadtverkehr

 

Ich würde schon
auf mein Auto verzichten,
wenn andere mein
Wollen für mich verrichten,
wenn man mich selbst
vor Stadtverkehr bewahre,
man mich auf Fingerzeig
mit Öffentlichen fahre.
Und das nicht nur
von weit entfernten Stellen
mitsamt ’ner Menge
übellauniger Gesellen.
Desweiteren kein
kreuz und queres Laufen,
wenn ich am Monatsende
will groß einkaufen,
und dieses dann
muß heimwärts transportieren.
Allein in Bus und Bahn
kann da doch nur verlieren.


[2020]

Das Inneninnen

 

Das Innen ist gerade In.
Für mich ergibt das wenig Sinn.
Selbst wenn die Innen nun aufbrausen
Im Netz und auch im Leben draußen,
So bin ich, was ich nun mal bin,
Ein Mann mit Er und keine In.

Gewiß, dies geb ich gerne zu,
Die Zeit verändert sich im Nu.
Was lange galt, kann sich auch wandeln.
Veränderung erwächst dem Handeln
Und reißt uns alle aus der Ruh.
Wenn’s früher Sie hieß, heißt ’s heut du.

Indes, was stelle ich mich an.
Ob Frau man ist oder ein Mann,
Das sollen doch jene entscheiden,
Die angehören eins von beiden
Geschlechtern. Das ist ganz egal!
Wenn tauschest du, ist’s deine Wahl.

Doch sollte man auch dazu stehn,
Das gleiche Recht auch dort zu sehn,
Wo andre Meinungen sich zeigen,
Muß man die Freiheit nicht vergeigen.
Der eine nennt das eine so;
Das andre heißt ganz anders wo.

Ob Schlachter oder Metzgerin,
Zum Fleischer geh ich gerne hin,
Will ich einmal ins Schnitzel beißen,
Mir ist ganz gleich, wie Semmeln heißen;
Mal Brötchen oder Schrippen mal.
Und sind’s Rundstücke: auch egal.

Nur, manchem gilt der Name mehr,
Als was benennt er kreuz und quer.
So ziert man Frauen heut mit Innen.
Viel mehr tät man damit gewinnen,
Gäb ihnen man den gleichen Lohn
Und böte Platz auf gleichem Thron.

Sonst ist das alles Brot und Spiel
Und zählt letztendlich gar nicht viel.
Anstatt mit Innen-I zu gendern,
Wär’s besser, Zustände zu ändern.
Zum Beispiel, was die Menschen teilt,
Wenn jeder nur am Ego feilt.


[2021]

Auf des Berges Spitze

 

Erblickest du von jenes Berges Spitze
zu deinen Füßen liegend dieses dunkle Tal?
Erfaßt du jede noch so kleine Ritze,
des Echos lauten oder leisen Donnerhall?

Dein Blick gilt wahrlich weitaus schön’ren Dingen.
Den Wolken, die verwoben, scheint’s, dein Antlitz ziern.
Mit höhren Kräften willst du glorreich ringen.
Zwiesprache mit den Göttern gleichsam führn.

Bedenk jedoch, scheint er für dich auch ewig,
stützt grauer Grund allein dein schnödes Hab und Gut.
Dem Himmel, den du suchst, den schert es herzlich wenig,
was unter ihm sich hin und wieder tut.


[2021]

Busverkehrt

 

Da las ich neulich den Entschluß,
Daß sich fürwahr was ändern muß.
Die vielen Autos müßten weg.
Der Busverkehr erfüllt den Zweck.
Doch sind die Busse viel zu groß.
Was macht der deutsche Markt da bloß?
Er baut die großen Busse kleiner,
Bis drinnen paßt als Fahrgast einer.
Der Fahrer wird dann zum Chauffeur
Im ÖVB a la Couleur.
Und auch die Linien kann man strecken,
Muß sich im Fahrplan nicht verstecken.
Ein jedem ist so wohlgetan,
Bis Bayern sieht die Nordsee nahn.


[2021]

Zur Bundestagswahl

 

Am Sonntag sind wir aufgerufen,
zu pflastern jene harten Stufen,
die helfen sollen manchen Leuten,
den Aufstieg fließend zu bereiten.

Sie selber stehn vorm großen Tor
und kommen sich gar wichtig vor.
Erklären uns, weshalb grad sie
und warum all die andern nie.

Ein jeder findet große Worte,
wenn er nur bald an jenem Orte
noch mehr für uns beschaffen kann
und fängt doch selbst bei sich erst an.

Ich würde gern den ganzen Haufen
für Null und nichts dem Schalk verkaufen,
doch leider ist es nun mal so,
bin ich deswegen auch nicht froh,

daß die Gesellschaft einen braucht,
der, daß der Schornstein tüchtig raucht,
die Wirtschaft diesbezüglich fährt.
Nur leider ist’s oft umgekehrt.

Drum heißt es hier bei diesen Sachen,
die Miene gut zum Spiel zu machen.
Denn käme es zum schlimmsten Fall,
zerbricht die Welt mit lautem Knall.


[2021]

Wer wen?

 

Als die Punkt Punkt marschierte,
konnte nicht nur, denn es passierte,
daß, wer im Wege ihnen war,
erlebte nicht das nächste Jahr.

Nun gab es vor vier Jahren wieder
’nen Mann, mit anderem Gefieder,
der gleiches uns schroff offenbart.
Bislang zum Glück (?) kam ’s nicht so hart.

Er wollte jagen Demokraten,
auf daß sie mit dem eignen Spaten
ausheben brav ihr eignes Grab.
In Chemnitz lief ’s in Maßen ab.

Drum sollten wir bei allen Fragen,
die uns sonst trennen, nicht ertragen,
was da von einem alten Geist
uns in das Unheil wieder reißt.

[2021]

An dies

 

Der eine hat’s mit dem Verkehr,
der andre trendet gar zu sehr.
Millionen Euro sind verschwunden.
Durchsuchung dauert ein paar Stunden.

Der eine geht nun bald zur Ruhe,
dem andren grad zu groß die Schuhe.
In Bayern gibt’s wohl nichts zu erben
und elbwärts steht ein Glied in Scherben.

Ob das denn stimmt und wenn, warum?
Nehmt mir das Ganze bloß nicht krumm.
Wer von der Hände Arbeit lebt,
der niemals über Dingen schwebt.

[2021]


Zukunft im Spiegel

 

Die Zukunft hat uns angelockt,
mit neuer Technik auch geschockt
und drängt uns vorwärts immer weiter;
egal auf welcher alten Leiter.

Und wenn wir dann noch darauf fliegen,
es auch vermeintlich günstig kriegen,
dann glauben wir es stets wie immer,
es geht nicht schief. Nie nicht und nimmer.

Egal, an was für einer Stelle;
wir denken uns besonders helle
und nehmen was auf uns zukommt.
Ob spät es kommt oder ob prompt.

Doch manchmal bricht auf uns herein
ein ganz besonders dunkler Schein.
In Trümmern liegt darauf die Welt.
Nichts von dem allen für uns zählt.

Dann kommen auch noch böse Schatten
zu nehmen uns, was lieb wir hatten.
Und meistens, scheint uns, von da draußen,
wo eben jene andre hausen.

Nun brüllen wieder neue Massen,
die von der Wahrheit aktiv lassen
und drängen kreuzquer wie die Tollen,
was besser sie nicht machen sollen.

Dann bricht ein solches Feuer los,
unaufhaltsam, nicht lokal bloß.
Es wütet weiter ohne Halt
und macht selbst die Brandstifter kalt.

Erst recht, wenn alle Feuerwehren
sich nun mal lieber darum scheren,
daß modisch sitzt die Uniform,
als eingehalten Brandschutznorm.

Und wechselt selbst das Personal
reicht es nicht aus für mehr Moral.
Denn wenn der Stoff vom selben Schneider,
geht’s mit dem Wandel niemals weiter.

Nun fragt ihr mich, was muß geschehen,
daß in die Augen wir uns sehen
wie grade zu in einen Spiegel.
Noch lang sind wir nicht über'n Hügel.


[2021]

Ödipus

 

Es war ein Knabe Ödipus,
der gab der Mutter einen Kuß
und seinen Vater, warum bloß,
durchbohrte er mit Schwertes Stoß.

Das dachten sich die Griechen aus
und Sigmund Freud machte daraus
seinen berüchtigten Komplex
von häuslicher Gewalt und Sex.

Ist solches heut noch angebracht?
Geschieht derartiges bei Nacht?
Oder sind wir schon etwas weiter?
Im großen Ganzen doch gescheiter?

Auch wenn ich dieses möchte hoffen.
Ein Zeitungsblick macht mich betroffen.
Noch immer ist der Weg sehr weit.
Bist du dafür und auch bereit?


[2022]

Der Blick nach Osten

 

Mal wieder ist der Osten im Visier.
Weil westlich
liegt viel Wasser vor der Tür.

Gut wär’s den Bär zum Freund zu haben.
Oder zumindest
einen breiten Graben.

Doch will man’s ihm verleiten,
stört sehr massiv
des eignen Grabens Breiten.

So läßt den Blick nach Osten,
gewissermaßen,
der Westen sich was kosten.

Erst wenn man hat den andern in der Hand,
scheint eigner Wert gesichert hier im Land.
Indes, was gibt ein braver Bär
schon fürs Theater her?

Und was, im Großen und im Ganzen,
macht der?
Läßt er die Muskeln tanzen?

Stellt sich mit aufgerißnem Maul
und Krallen zeigend.
Für etwas andres wohl zu faul?

Wie’s weitergeht, wird man erfahren.
Man kann nur hoffen,
wie seit siebzig Jahren.

Wenn auch mit sinnlosem Geplänkel.
Zwar bringt’s Verdruß,
doch weiterhin noch Enkel.

Ich wünsche mir, daß jener Geist gewinnt,
der nicht wie mancher andre spinnt.
Daß weiter und ganz konsequent
die Kriegsmaschine endlos klemmt.


[2022]

Ohne Sinn und Verstand

 

Ich weiß nicht, wie ich’s schreiben soll.
Da gibt es einen, der treibt’s toll.
Weil er das Maß verloren hat
Und noch mehr frißt, obwohl er satt.

So einfach ist es aber nicht.
Nun steht er da im offnen Licht.
Ich dachte, es sei andersrum.
Nun fühle ich mich schrecklich dumm.

Gleichwohl, ich muß es neu bedenken,
Der Welt ein andres Weltbild schenken
Und sprechen aus, was jetzt tut Not:
Der Putin ist so ein Idiot.

[2022]

Warum greift der Putin an?

 

Wuarm gifert der Piutn an?
Wiel er muß! Nhcit adrnes knan?
Oedr hat er nhcit im Snin,
daß nur Fedrein Hwpaetingun?
Wfrit hrfiont mit eenim Sriecth
all die Atcuhng und sgoicleh
rihet scih ein in der Deeptosn
Geir ncah Mhcat und vlieen Ttoen.
Atnatst Fdinee arzsetabufn,
die geiwß nciht all den Bveran
und den Gteun aheergnön,
slepit er mit des Sltnais Cöerhn.


[2022]

 

Tausch und Handel

 

Es sitzt ein Mann am Frühstückstisch;
der Kaffee schwarz, die Milch ganz frisch.
Auch reichlich hat er Brot und Butter.
Indessen fehlt es Ihm an Zucker.

Ihm gegenüber sitzt derweil
des Ehehafens zweiter Teil.
Der Zuckerstreuer steht ihr nah.
Auch Marmelade hat sie da.

So bittet er, mit besten Grüßen,
um’s weiße Zeug, den Trank zu süßen.
Sie läßt ihn warten gar nicht lange
und reicht hinüber es samt Zange.

Nicht ohne ihn nach Milch zu fragen.
Wenn Kaffee pur, brennt ’s ihr im Magen.
Auch hier setzt man das Tauschen fort,
ohne ein überflüssig Wort.

Nun denkt man sich, es gibt nur was,
wenn was zum Tauschen füllt das Maß.
Doch wahrhaft redlich gelte nur,
gibt unentgeltlich man es pur.

Jetzt fängt wer indes an zu fragen:
Muß einer stets das schwere tragen?
Gibt’s Unterschiede nicht im Wert.
Lief ’s immer so, wär’s doch verkehrt!

Drum setzt man einen Richter ein,
der abwägt wohl nach Sein und Schein.
Und der tut’s auch nicht ohne Grund.
Auch er muß füllen seinen Mund.

Und daß er stets dafür was hat,
daß es nicht reicht nur, daß er satt,
drum solle dies ewig bestehen.
Nie wieder ohne ihn geschehen!

[2022]

Abrüstung

 

Einst saß ein Ritter hoch zu Roß
und führte an den eitlen Troß.
Dann kamen sie zu einer Furt,
um zu erringen Siege dort.

Doch als sie’s Wasser nahen sahn,
sie schnell Reißaus vor diesem nah’m.
Denn ihnen war gewiß bewußt:
Rost in der Rüstung schmäht die Lust.

Ach,wären weltweit die Hallunken
zu jener Einsicht durchgesunken,
daß sich besagter Herd nur lohnt,
wenn Frieden auf der Erde wohnt.


[2022]

Hilflos

(inspiriert von „Helpless“ von „Crosby Stills Nash and Young“)

Es ist acht Uhr im Sessel vor der Nacht,
wenn der Tag geht, die Dunkelheit erwacht
und höret, was die Tagesschau uns bringt;
von dem Schrecken, in dem die Welt versinkt.

Das was uns lieb und teuer einst im Land
verfällt im Rausch von Gier und Unverstand.
Der blaue Himmel über uns verglüht.
Wer weiß, was uns allen noch alles blüht.

Wir sind hilflos, hilflos, hilflos.

In mancher Kehle sitzt nicht nur ein Kloß.
Wer rettet uns aus diesem Jammer bloß?
Die Tür springt auf, die Fenster aus der Wand.
Wer geht mit dem Tod heute Hand in Hand?

Das was uns lieb und teuer einst gemacht,
das wird nun Stück für Stück zerstört, verbracht.
Wenn uns nicht bald der Ausweg noch gelingt,
kein Vogel mehr im blauen Himmel singt.

Doch wir sind hilflos, hilflos, hilflos.

[2022]

Eiertanz

 

Einst hat es hier auf dieser Welt gegeben,
oder war es auf einer Welt daneben,
ein Königreich mit sieben seiner Jünger
und nah dabei, wie eine Hand und Finger
ein anderes gar mächtig Land.
Sie waren gleich und dennoch auch verschieden.
Man raufte sich, doch meistens herrschte Frieden.
Nicht immer hat man gleiches gleich gesprochen.
Doch letztlich hat man’s Brot ähnlich gebrochen.
Ein jeder, wie er’s richtig fand.

Nur eines tat sie unvereinbar trennen.
Ich wag es kaum beim wahren Namen nennen.
Das Frühstücksei, wie wir es alle lieben,
verspeiste man, nichts sei hier übertrieben,
mit Senf hier, dort mit Salz.

Was einst nur Mode war, nun Traditionen.
In Stein gesetzt, wo jeweils sie grad wohnen.
Und wich man ab, von einem dieser Sitten,
hat oft nicht nur man selbst deshalb gelitten.
Um Kopf ging’s und um Hals.

Doch mit der Zeit tat sich manch Altes wandeln.
Nicht nur mit Waren ließ sich trefflich handeln.
So wechselten mal hier, mal dort Gedanken
fast unentdeckt die Ländergrenzen, Schranken.
Manch einer fand es chic.

Und bald darauf, die Herrscher mußten sehen,
daß nun ringsum ganz andre Winde wehen.
Dem Nachbarland schmeckt nun was andres besser,
drum segelt es im anderen Gewässer
zu einem andren Ort.

Dem einen mag der Wechsel wohl gefallen,
der andre schärft verborgen seine Krallen.
Noch friedlich ließ er öffentlich verlauten,
wann immer seine Gegner auf ihn schauten:
So geht’s nicht immerfort.

Doch schien die Welt dies alles nicht zu hören
und keine Mahnung tat sie dabei stören,
den Speisewandel stetig fortzusetzen,
gleichsam die Ehr des andren zu verletzen.
Wer traf nun welche Wahl?

Gewiß mag man sich heftig drüber streiten,
wer kann das Ei am besten zubereiten.
Doch geht es nicht und ist noch nie gegangen,
darum, weshalb der Zwist hat angefangen,
als ausschließlich um Macht.

Und um die jeweils eignen Einflußsphären,
die besser nicht, dem andren angehören.
Denn soll der Rubel, Dollar ewig rollen,
muß man der Einsicht blutend Tribut zollen;
dem Frieden, Gute Nacht.

Wie gern tät ich, wie sonst in vielen Märchen
die Mär beenden, daß nun doch als Pärchen
die beiden Reiche zueinander kommen.
Das Schicksal hat’s wohl andersrum ersonnen.
Mich selber trifft es hart.

Denn unvereinbar scheint die Lebensweise
den Herrschern oben und so fallen Kreise
und alle Hemmnisse in sich zusammen.
Die Folgen muß man gnadenlos verdammen,
schmerzt's auch, auf jede Art!

[2022]