Sinniges

 

Inhalt:

1.      Zeitliches

2.      Werde Mensch

3.      Wie ein Baum

4.      So unendlich

5.      Hoffnung

6.      Verkauft

7.      Teilnahme

8.      Slogan

9.      Elektrisches Sonett

10.  Müssen und Können

11.  Lebenszeit

12.  Morgens

13.  Rückwärts

14.  Langer Tag

15.  Das kleine ABC

16.  Besenfeger

17.  Gedanken im Advent

18.  Sodbrennen

19.  Samstags Nacht allein

20.  Moritat vom letzten Haar

21.  Regen

22.  Verzage nicht

23.  Haben wollen

24.  Nimm es leicht

25.  Sinnige Tiere

26.  Himmelsstürmer

27. Tierversuche

28. Rat

29. Des Knaben Wandlung

30. Des Dichtes Worte

31. Müde

32. Vokaler Abstieg

33. Partysinn

34. Tag für Tag

35. Manches

36. Eines Freundes Not

37. Geburtstagstoast

38. Die schwarze Witwe

39. Übers Dichten

40. Aufräumen

41. Bilder machen

42. Glücksbringer

43. Diogenes

44. Im Alter

 

 

 

 

 

( . . L A O K O O N - Gruppe . . )

 

Venus von Milo
Nofretete .../... Tut-ench-Amun

 

 

 

Zeitliches

Zeitliches endet an den Stufen der menschlichen Idee.
Räumliches an der menschlichen Tat.
Dimensional eilen unsere Gedanken,
unbeschreibbar, unerreichbar,
ihr wahres Ziel der Zeit.
Des Menschen Werk, des Menschen Kraft-
Schlüssel zur Tür der Erkenntnis.
Hier - dort - überall

[1978]

Werde Mensch

Glocken läuten zum letzten Gang -
begrab deine Eitelkeit!

Das Beil ist scharf, das Feuer an -
richte die schlechte Zeit!

Stoß ins Herz des Bösen
den Dolch der Humanität!

Haß und Neid zerfressen dich -
liquidiere sie noch heut!

Lösche aus die Zwietracht
und den Drang nach Macht!

Werde Mensch!

[1979]

Wie ein Baum

Wie ein Baum
erstreckt sich die Welt
empor aus tiefem Grund,
umfaßt die Sphären,
durchzieht die Zeit,
gibt allen und macht gesund.

Ersteige ihn, und forsche.
Du wirst manches erfahren.
Nicht Stunden dauert's,
nicht Tage -
bedarf dem Werk von Jahren.

[1979]

So unendlich

So unendlich Raum und Zeit auch sein mögen,
so sind sie doch für den Menschen
wenn schon nicht vorstellbar,
so doch begreifbar

Bedingung ist:
- Mensch zu werden
- Mensch zu sein
- Mensch zu bleiben!

[1980]

Hoffnung

So wie die Lerche singt ihr Lied,
der Bach in seinem Bette zieht,
der Wald sich hoch emporgestreckt
und nicht des Jägers Ruf das Wild erschreckt -

So seist auch du - und ich - und all
in der Natur und Welt ein mächt'ger Wall.

[1980]

Verkauft

Verkauft durch des Schicksals Macht -
Erzogen durch das Leben,
stark und sacht -
Steh nun an der Stelle zum Erwachsen sein -
Versuchte viel, doch blieb allein.

[1980]

Teilnahme

Und so erleb ich neu
des Tages weite Bahn,
und finde Glück und Zuversicht
in mein' Gedanken Heim.

Glück und Zuversicht
in weitem Raum!

Und drängt mich die Welt,
so nehm ich teil
am Kampf um der Wahrheit hohem Ziel.

[1981]

Slogan

Gefährlich ist's mit Gas zu heizen -
Verdrießlich Ölheizungsgestank -
Nur Nachtstrom trennt die Spreu vom Weizen,
dann kommt Elektro-Thiele, Gott sei Dank!

[1997]

Elektrisches Sonett

Die Welt war anfangs ziemlich dunkel.
Nur Feuer brachte hellen Schein
in Schatten und Behausung rein;
gleichwohl als flackerndes Gefunkel.

Bewegung bringt dem Menschen Ehren.
Ob er sich selbst, ob seine Last,
ihm Tiere helfen, ohne Rast,
Wohlstand ihm Wind und Wasser mehren.

Noch weiter sind in unsren Jahren
die Menschen auf der ganzen Welt
verbunden durch ein neu Verfahren.

Wenn mancher auch aus Wolken fällt
und Unglück zieht an seinen Haaren;
E-Technik unser Wohl erhellt.

[1999]

Müssen und Können

In einem Örtchen stille,
da sitzt ein kleiner Mann.
Es ist sein einzig Wille,
zu schaffen was er kann.
Doch bringt er nichts zustande,
wie er sich auch bemüht.
Das ist in unsrem Lande
weit um das gleiche Lied.

Derweil im Nachbarhause,
bedeckt von Marmorzier,
nebst einer goldnen Brause,
wirkt da ein großes Tier.
Ihm stehet alles offen.
Ein Fingerzeig trägt Frucht.
Uns bleibt nur noch zu hoffen,
auch mit der nöt'gen Zucht.

[1999]

Lebenszeit

Jüngst war es;
kaum, daß ich mich noch erinnre.
Was ist die Zeit?
Ein Leben, Stundenschlag.
Die Blätter fallen,
junges Grün will sprießen.
Im Sommerlicht
wird eine weiße Welt zum Tag.

Geboren erst,
am Stocke geh'n die Greise
voll Lebensmut und Glück
an ihrer zarten Hand.
Ein Windhauch bläst,
im Kreise zieh'n die freien.
Nicht festgesetzt
wo Wasser ist und wo ist Land.

Hier sitze ich;
ein leeres Blatt geht mir zur Neige.
Das Ende ist
des Anfangs allererster Sohn.
Was nützt es uns
im Sinne sich zu suchen?
Der Augenblick
ist Räderwerk und einzig Lohn.

[1999]

Morgens

Heute in des Morgens Frühe,
wenn der Hähne Schrei ertönt
und das Muhen vieler Kühe
Bauers Ohrmuschel verwöhnt,
steh ich auf, mich einzugeben
in des Tages Müh und Plag.
Denn nur dem gehört das Leben,
der sich anstrengt jeden Tag.

Also renn ich, unaufhaltsam
meinen Weg bergauf, bergab.
Zum Gewinnen ist es ratsam,
daß man ständig ist im Trab.
Freilich kann man 's übertreiben.
Und so mancher schafft es nie,
selber sich ganz treu zu bleiben
und fällt deshalb in die Knie.

Daß mir dieses nicht geschähe,
sei ich allzeit auf der Hut.
Hab zwar Augen in der Nähe,
doch der Abstand tut mir gut.
Jener Abstand den ich brauche,
um im Leben Mensch zu sein.
Weder Schinken dort im Rauche,
noch ein Kork im sauren Wein.

[1999]

Rückwärts

Ertrinkt die Nacht am Tageslicht
stirbt lautlos mancher Jubelschrei
und alte Leiden, neu erdacht,
erheben gleich Dämonen sich
aus Wunden, längst noch nicht verheilt
und Schmerzen,
die so ganz vertraut mir scheinen,
geleiten mich zum eignen Schlund,
zum ewig gleichen Reigen.

[2000]

Langer Tag

Verrückte Zeit
Die Füße greifen
Meilenweit
Sich gegenseitig
Raum
Im schwangeren Gefühl
Sich mühsam
Einzugeben
Im Taggewühl
Ein Tropfen
Heißt das Leben

[2000]

Das kleine ABC

Am Beginn chattet Dora
eignes für ganz heiße Igel,
jagt Karola liebe Männer
noch ohne Pauls Qualitäten,
rennt Susanne tapfer und verfolgt
wieder Xavers Ypsilon zurück.

[2001]

Besenfeger

Du alter Besen,
Du bist's gewesen.
Du hast die ganze Zeit nur Mist gemacht.

Du altes Luder,
in Kopf nur Puder.
Du hast noch nie was in die Welt gebracht.

Doch in dem Zimmer,
ich glaub es nimmer,
da hat es gestern abend funktioniert.

Bei all den Sachen,
die wir jetzt machen,

hast du uns ganz schön vorgeführt.

[2001]

Gedanken im Advent

Wenn im weihnachtlichen Glanze
sich die Welt vom Jahr erholt
und bei Licht und Duft vom Kranze
schnell noch mal die Seel' besohlt,
dann ergreift uns tiefes Denken.
Wir erahnen Großes neu.
Doch bevor wir wirklich schenken,
bleiben wir dem Kleinen treu.

Immerfort die gleichen Lieder.
Immerfort der gleiche Tanz.
Gäbe es den Anfang wieder,
wär's doch auch nur matter Glanz.
Bleibt uns denn bei all dem Hoffen
wirklich nur das kleine Glück?
Bleibt uns nie die Zukunft offen?
Geht's letztendlich doch zurück?

Jahr für Jahr zerbricht zu Scherben
manche schöne neue Welt
und uns graut vor dem Verderben,
vor das wir uns selbst gestellt.
Dennoch möcht' ich stolz bekunden,
trüg' es mir auch Prügel ein,
daß ich dieses Jahr, in allen Stunden
glücklich war, tagaus, tagein.

[2001]

Sodbrennen

Tief im Innern brennt die Säure
mir das Fleisch vom Magen ab.
Alle Schmerzen, alle Sorgen
halten mich im Krampf auf Trab.

Ist der Wind, der mir als Herbststurm
meine heile Welt zerzaust
wirklich nur ein Spuk von draußen,
der um meinen Körper saust.

Nehme ich nicht alle Freude,
die mein neues Leben ziert,
dankbar auf und geb' sie weiter,
daß sie uns zum Schönen führt.

Was beschwert an diesem Abend
denn nur brennend heiß mein Herz?
Was denn nur läßt mich nicht schlafen?
Welche Nichtigkeit wird Schmerz?

Auf der Arbeit läuft es bestens;
hier und da ein kleines Loch.
Selbst der Alltag wird zum Pendel,
wäre da nicht amtlich Joch.

Ach! ich will doch glücklich nennen
mich und meine neue Welt.
Glücklich bin ich und ich fühle,
eigentlich mir gar nichts fehlt.

Aber dennoch bleiben Fragen,
was in mir mich so zerreißt
und die Worte, die mir fehlen,
die beschreiben, wie es heißt.

[2002]

Samstags Nacht allein

 

Da liege ich nun hier

gedanklich auch auf großer Fahrt

zu Orten die ich mir ersinne

und doch nicht wirklich will,

weil keine Linderung sie sind.

 

Und hänge in den Seilen.

Was soll da alles Reden?

Ich weiß ja selbst genau,

mein Leben ist nur kurz mal aus

und kommt schon bald zurück.

 

Und dennoch bin ich leer.

Vergrabe mich in alten Spielereien.

Bin ausgebrannt.

Der Sinn des Lebens völlig leer.

 

Und selbst die Worte hier,

die ich versuche zu fixieren,

verspringen mir, obwohl genau

wie mir das Leben ihnen fehlt.

 

Ich möchte dieses Blatt zerreißen.

Ach du, zerknüllen möchte ich es,

weil es mir dich nicht bringt.

 

Trotzdem zeigt es mir überdeutlich

wie sehr ich deinem hier bedarf,

dein Dasein mich bestimmt.

 

 [2002]

Moritat vom letzten Haar

 

Ein einzig Haar, das stand mal stumm

und einsam um sich selbst herum.

Die andern Haare, schon seit Jahren,

sind still aus ihrer Haut gefahren.

 

Und ob nun Regen fiel, ob Sonne,

dem einen Haar war’s keine Wonne.

Es konnt’ sich biegen und sich strecken;

auf kahler Haut gibt’s kein Verstecken.

 

Wie hätte es sich gern in Wogen

mit all den andern sanft gebogen.

Es dacht’ zurück an alte Zeiten;

sich dichter Haarschopf tat verbreiten.

 

Als Zierde für den Herrn von Welt

es schön gepflegt für wenig Geld.

Und selbst zu wilden Knabentagen

hat es der Bursche gern getragen.

 

Mal war es kurz, mal fiel es munter

bis auf die breiten Schultern runter.

Doch diese Tage sind dahin.

Nun wallt kein Zopf mehr bis zum Kinn.

 

Und unser Haar muß eingestehen,

auch es muß eines Tages gehen.

Da hilft kein Jammern und kein Flennen.

Man muß es halt beim Namen nennen.

 

Die Dinge nehmen ihren Lauf.

Drum nutz die Zeit, geht sie bergauf.

Denn bist du oben angekommen,

geht’s nur bergab, wird abgenommen.

 

 [2003]

 

 

Regen

Geballte Kraft

stürzt nieder sich aus großer Höh

und mitten aus dem triefend schweren Dunst.

 

Schaut nur!

Er wälzt mit seinesgleichen sich

gar wild und fürchterlich dem Meere zu.

 

Doch auch

die totgeglaubte Welt wird im Gedürr

durch ihn zu neuer Kraft belebt.

 

Labsal und Pein.

Wie eng sie beieinander liegen

und nur das Maß bricht über uns den Stab.

 [2003]

 

 

Verzage nicht

 

Verzage nicht,

und schlagen sie

mit weidengleicher Lust

und Gier

auch auf dich ein.

So bist du wohl

in meiner Welt

und sicher,

glücklich aufgehoben.

 

Verzage nicht,

und suchen sie

in neidzerfreßne Tiefen

zu ihrer Freud

und deinem Leid

dich ihnen gleich hinab zuziehen.

Gemeinsam sind ein mächtig Werk

wir,

dem Ungemach zu widersteh’n.

 

[2003]

 

 

Haben wollen

 

Ein Mäuschen saß auf einem Stein

und wollte in das Haus hinein.

Kaum war sie drin, die kleine Maus,

da wollte sie schon wieder raus.

 

So geht’s auch Menschen oft im Leben,

was sie nicht haben, woll’n sie eben.

Und können sie es dann besitzen,

als Eigentümer sie schnell schwitzen.

 

Drum merke dir, du kleiner Mann,

nutz mit Bedacht dein Habgespann.

Denn hast du es erst weggebogen,

brauchst du ´s bestimmt, ganz ungelogen

 

 [2003]

 

Nimm es leicht

 

Wenn’s Leben dir auch Streiche spielt,

dein Weib dich stets am Bändchen hielt

bislang und auch dein Chef Dich schröpfte,

dich dein Gefühl bisweilen köpfte,

so denke an die schönen Tage,

denn es ist wirklich keine Frage,

was auch der Alltag dir beschert,

ist nicht nur Pein und Plage wert.

 

Versuchst du dich durchs Heim zu schleichen,

doch alle Pläne werden Leichen

noch ehe du sie wahrgemacht,

bei Tage wie in finstrer Nacht

und selbst ein strohhalmvoller Haufen

hält dich nicht auf schier abzusaufen;

was auch der Alltag dir beschert,

ist nicht nur Pein und Plage wert.

 

Erfreue dich am kleinen Glück,

das große Pech kommt eh zurück.

Und ehe du dich recht versiehst,

es dich mit Strähnen übergießt.

Verzage nicht der Nackenschläge,

was soll’s, des Schicksals scharfe Säge

ist ohnehin an deinen Pfad gesetzt.

Drum lache drauf und lach zuletzt,

was auch der Alltag dir beschert,

ist nicht nur Pein und Plage wert.

 

 [2004]

 

Sinnige Tiere


In einem tiefen Graben,

da saßen einst zwei Raben.

Sie hatten nichts zu tun

als stets sich auszuruh’n.

 

Doch als ein Wind gekommen,

sie in die Pflicht genommen,

da flogen sie schnell fort

an einen andren Ort.

 

Mitunter geht’s den Leuten,

den dummen wie gescheiten,

nicht anders als den Raben,

sofern sie Unlust haben.

 

Wenn sich Stiere tief verneigen,

tun sie dies, um Horn zu zeigen.

Senkt hingegen Max den Kopf,

ist es meist ein alter Zopf.

 

Und im Wasser, bei den Fischen,

gäb es scheinbar viel zu wischen,

wär es ohnehin nicht naß,

übervoll das Tagesfaß.

 

Wie die Schlangen, die sich strecken,

so die Spinnen, die verstecken

sich an jedem Tag aufs neu.

Bleiben ihren Genen treu.

 

Bloß der Mensch sucht mit Bedacht

wie er alles anders macht.

Anders als noch so grad eben.

Und das nennt er göttlich leben.

 

Rennt mit seinem Kopf durch Wände,

um zu sehen dann am Ende,

daß ihn das, was er gemacht

nicht viel weiter hat gebracht.

 

 [2004]

 

Himmelsstürmer

 

Fliege, Vogel, in die Lüfte.

Fliege hoch zum Firmament.

Zeig uns Menschen hier am Boden

Wie man Freiheit wirklich nennt.

Und gib Rat dem der verzweifelt

Sucht des Lebens Unterhalt.

Zeig den Sinn uns auf, das Wesen,

In der Welt voll Zwang den Spalt.

 

Eins sollst sein du mit den Wolken,

Stets entfernt von Armbrustfeil’n,

Wind und Wetter dich verschonen,

Dein Gefieder nicht entweih’n.

Lasse deinen Ruf erschallen,

Daß wir gleich dir aufersteh’n

Und gemeinsam im Gefüge

Der Natur nach vorne seh’n.

 

 [2005]

 

 Tierversuche

Wenn der Buschmann geht zur Ruh,

schauen ihm die Löwen zu.

Sägt er dann nach Stammesbrauch,

füllen sie sich ihren Bauch.

 

Und wenn mal der Spinnenmann

gleichwohl will, doch nicht mehr kann,

fällt er und das ist sein Ende

in der Gattin tödlich Hände.

 

Dort wo die Gazellen springen,

hört man selten Affen singen.

Denn mit Paviangeschrei

lockt man keinen Gast herbei.

 

Und im Fluß der Krokodile

führt schnell schwimmen oft zum Ziele.

Andre woll’n nur trinken, schlucken.

Fehlt’s an Vorsicht: letztes Zucken.

 

Nur die mit den dicken Häuten

stört es nicht und sie vergeuden

maßlos jeden Schlucken Wasser,

daß sie werden innen nasser.

 

Somit sagen uns die Tiere,

ob im Kreise, im Geviere,

jeder Anfang hat sein’ Schluß.

Selbst des Glückes Hochgenuß.

 

 [2006]

 

 Rat

Hör zu, was ich dir heute sage.

Sonst näherst du dich bald dem Grabe.

Wirst schneller als gedacht dann kalt

und keine hundert Jahre alt.

 

Ernähr dich sanft und ohne Eile.

Genieß dein Leben jene Weile

die du hier auf der Erde wandelst

und möglichst mit Geschick auch handelst.

 

Versuche eins zu sein mit allen.

Bin sicher, es wird dir gefallen

ein Teil vom großen Werk zu sein,

sonst bleibst du schwach und bist allein.

 

 [2006]

 

Des Knaben Wandlung

 

Er hat’s geschafft,

des Stammes jüngster Sprießer.

Nicht immer er

erfolgreich im Parcours.

Von Anfang an

und jedermann ein Süßer

genannt und nun

schlug ihm die andre Uhr.

Die neue Welt

erfüllt ihn mit Erbauung.

Ein jeder Tag

bringt ihn der Zukunft nah.

Das was ihm schien

zum Zwecke der Beschauung

ist heute erst

nach zünftig’ Schaffen da.

Was mancherorts

an Steinen sich erhebet

lag brach und flach

ihm unbekannt im Sinn.

Nun trägt er ’s froh

und stolz und schwebet

zu neuen Ufern

mit gehobnem Kinn.

  

 [2007]

 

Des Dichters Worte

 

Sprach zu mir ein großer Dichter:

Unsre Welt wird immer lichter,

wie der Umgang immer gröber,

so der Anspruch immer schnöder.

 

Sprach zu mir ein großer Dichter:

Jeder fühlt sich just als Richter.

Wie er Nachbars Schicksal lenkt

und dabei an sich nur denkt.

 

Sprach zu mir ein großer Dichter:

Schaut man heute in Gesichter,

sieht man nur mehr nur Verdruß,

was sich schleunigst ändern muß.

 

Und ich denk in meinem Sinne:

Recht hat er, des Wortes Minne.

Schlechte Bilder muß man kennen

und bei ihrem Namen nennen.

 

[2007]

 

 

Müde

 

Er sitzt entrückt

im Dunkel seiner Wünsche;

nichts sagend und

bar nennenswerter Lust.

Sein Körper zeigt

mit gnadenloser Härte,

was unlängst noch

sein Geist ihm hübsch verbarg.

 

Die Zeit verrinnt.

Sekunden werden Stunden.

Und jeder Schritt

gleicht einem langen Tag.

 

Die Jugend, die

fast sehnsuchtsvoll erhalten,

hier taucht sie ab,

im Taumel extensiver Frist.

So merkt er 's nun,

was andre schon seit langem,

wie ohnmachtvoll

sein Gleiten durch 's Geschick.

 

[2008]

 

Vokaler Abstieg

 

’s war kurz nach achte,

als ich erwachte

und dachte

sachte.

 

was ich hab zu geben

in meinem Leben –

zum streben

eben.

 

denn so ist es immer,

ohne Gewimmer

wird’s schlimmer

nimmer.

 

was zur Pflicht erhoben

wird gar verschoben

von ’n Roben

oben.

 

und wir dreh’n Runden

Minuten, Stunden

im wunden

unten.

 

[2008]

 

Partysinn

 

Freitag nacht war’s noch Musik,

Samstags Morgen nur noch Chaos.

Wenn man nüchtern es besieht,

fragt man sich, War da was los?

 

Jeder Tag hat seine Chance.

Nutze ihn mit recht Bedacht.

Sonst verläuft sich noch das ganze

und verlierst dein Glück mit Macht.

 

[2008]

 

 

Tag für Tag

 

Als die Sonne sich am Morgen

scheinbar aus dem Bett erhob

und die Nacht mit alten Sorgen

sich am Himmel westwärts schob,

schuf ich mir ein neues Leben,

schuf mir einen neuen Tag.

Hieß ich meinen Körper heben

sich zu raffen ohne Klag.

 

Schnell zum Bade hinzukommen

war mein allererstes Ziel.

Meine Augen noch verschwommen,

sah im Spiegel ich nicht viel;

was jedoch mit kühlem Wasser

sich alsbald verändern ließ.

Auch die Zähne wurden blasser,

als ich durch die Zahncreme blies.

 

Doch als Jungfrau blieb nicht lange

dieser makellose Schein.

Brot mit Butter in der Schlange

aß ich hungrig in mich rein,

um zu stärken meine Knochen

für des Tages Aufenthalt,

der mich drängt in diesen Wochen.

Fürwahr, Arbeit läßt nicht kalt.

 

Also nicht so lang verweilet

in der Wohnung warmen Hort.

In die Schuhe und dann eilet

Füße flugs in einem fort.

Geht’s zur Bahn jetzt, geht’s zum Wagen?

Das ist nicht der Frage wert.

Übers Wetter läßt sich klagen,

doch das ist ja eh verkehrt.

 

Bin zum Broterwerb erschienen

alsdann ich nach kurzer Fahrt.

Ob im Freien, ob in Minen,

ob gewaltig oder zart,

das sollt keine Rolle spielen.

Dennoch gibt es oft Verdruß

wenn man schafft und muß doch fühlen;

unterschiedlich herrscht der Schluß!

 

Doch was soll ich mich beklagen?

Ist nun mal auf Erden so.

War schon so seit Jahr und Tagen.

Ob’s sich ändert? Sag mal, wo?

Nun denn streifen die Sekunden,

manchmal geht’s auch ziemlich schnell,

um die Uhr und werden Stunden.

Auf dem Heimweg ist’s noch hell.

 

In der Heimstatt angekommen

schloß ich schnell die Türen zu.

Manchmal bin ich noch benommen,

gehe trotzdem nicht zur Ruh’.

Weil des Abends seichte Mühen

gelten mir des Tages Plag.

Wenn auch nicht die Felder blühen,

lohnt des Augenblicks Ertrag.

 

Heute jedoch ging’s beizeiten

nach dem Abendbrotgenuß

tief hinein in Badesfreuden.

Lohn dafür manch zarter Kuß,

den mein Weib und ich uns schenkten

unterm heißen Brausestrahl.

Fühlten, daß wir gleiches denken.

Trafen auch die gleiche Wahl.

 

Hier nun mocht’ der Zeuge schweigen.

Ohnehin weiß man Bescheid.

Ob’s wohl Pauken sind, ob Geigen? –

Dann herrscht Stille! Seeligkeit.

Gleichsam mit des Paares Augen

sank die Sonn’ zur Tagesruh.

Wenn jetzt auch die Schatten saugen,

geht’s schon morgen heller zu.

 

[2008]

 

Manches

 

Mancher Satz ward oft geschrieben;

manches Wort oft hingesagt.

Manches Bildnis zeigt in Zügen,

was die Stimme niemals wagt.

 

Mancher Held verharrt in Schweigen.

Mancher Feigling trumpft frech auf,

dort wo in des Schicksals Zweigen

das Geschick nimmt seinen Lauf.

 

Manche Posse wird verwegen

als ein großes Werk gelobt.

Manche gute Tat hingegen

von manch Dummen schnell versnobt.

 

Manches, was uns gülden dünket,

ist bekanntlich falscher Schein.

Mancher Wein, den mancher trinket,

schmeckt durch Mode nur allein.

 

Mancher Hund bellt mit dem Schwanze.

Manches Hemd hüllt ganz uns ein.

Wenn der Rock auch wird zur Schanze,

reicht zum Sturz ein kleiner Stein.

 

[2008]

 

Eines Freundes Not

Es sprach ein Freund, als jüngst er war betrunken,

zu mir, daß er nicht wüßt’ sich zu verhalten

in einer Sache. „Blieb’ sie doch beim alten

und wäre nicht im Wandel oft versunken.“

 

Drum sollt’ zu ihm ich ehrlich sein, nicht unken.

Ich bat ihn drauf, er wäre doch gehalten

zu sagen mir, wie könnte ich gestalten

die Lösung, die er nirgends hat gefunden.

 

Es sei mal wieder schlimm mit diesem Glase.

Ob er die Augen nimmt, ob seine Nase,

stets ausgeleert zeigt sich der Becherrund.

 

Und gäb' er noch so viel vom reinen Wein

in des Töpfers herrlich Meisterstück hinein,

sieht er nach kurzer Zeit des Humpen Grund.

 

[2008]

 

Geburtstagstost

Man sagt so gern beim Jubelfeste,
es sind erschienen deine Gäste,
um dich und deine Tat zu feiern.
Ich freilich will dies heut nicht leiern.

Du blickst zurück auf langes Leben.
Hast manchem Kind das Zeug gegeben,
aus diesem Stoß auch was zu machen.
Wem es gelang, kann heute lachen.

Sie warn nicht leicht, oft deine Tage
und ungeklärt blieb manche Frage.
Auch Tränen mußten manchmal rollen,
wenn’s nicht gelang, wie’s hätte sollen.

Ab nunmehr, sollten Tränen fallen,
wünsch ich im Namen von uns allen,
daß jeder Grund entstammt der Freude.
Drauf heb das Glas ich hier und heute.

 

[2008]

 

Die schwarze Witwe

Die Witwe saß verschmitzt durch ihren Schleier lächelnd
auf einem Hocker rückwärts zu 'nem Tisch gewandt.
Derweil bereits ein gutes Dutzend Opfer hechelnd
sich ihr zu Füßen Suizid gefährdet fand.

Das eine Bein gekonnt über's andre Knie geschlagen,
drauf ruhte scheinbar reglos ihre heiße Hand.
Dann winkte sie graziös dem, der vor Tagen
noch nicht mit einem Bein im Grabe stand.

Ein neuer Mann, zum einmaligen Gebrauche,
ward ausgewählt zu folgen ihr ins Witwenland
des heißen Feuers und im bitter-süßen Rauche,
zu finden schließlich seinen eignen Lebensrand.

 

[2010]

 

Übers Dichten

Dem Minnen wird der Minnesang,
wenn gut gemacht, er nicht zu lang.
Nur wenn das Reimen heftig holpert,
der Dichter übers Versmaß stolpert.

Er halte sich geziemt zurück.
Denn oft zählt mehr das kleine Glück
für sich was Schönes zu verfassen,
statt Wortsalat für tumbe Massen.

So kann man jederzeit erkennen,
ob er beim Dichten tat verpennen,
was man wenn man es richtig wollte,
beim Schreiben stets beachten sollte.

Setz wohlbedacht den Vers zusammen,
Verzichte Worte fest zu rammen
zu einem Wulst aus Nützlichkeit.
Dann kommst du in der Kunst auch weit.

Harmonisch müssen Sätze fließen.
Dann wird der Leser dich gern grüßen
von weitem schon, denn nicht ist bang
ihm vor dem nächsten Minnesang.  

 

[2012]

 

Aufräumen

Ich steh' in Vaters Rumpelkammer
und denke mir, es ist ein Jammer,
was alles sich hier angesammelt
und leise vor sich hin nun gammelt.

Was kann hier weg, was wird man brauchen?
Findet man's schnell? Muß tief man tauchen
in jenen wüsten Sperrmüllhaufen,
um nicht das gleiche neu zu kaufen?

Doch braucht man's wirklich alle Tage?
Ob jemals wieder, ist die Frage!
Weiß man es noch in ein paar Jahren?
Ich glaub, ich will es nie erfahren.

 

[2012]

 

Bilder machen

Wollt früher man der Nachwelt zeigen,
wo jagen man könnt‘ Hirsche, Feigen
und Beeren pflücken von dem Strauch
Auf Stein man malte. War halt Brauch.

Auch später noch, in der Antike,
schlug Bilder man in Felsen schnieke.
Nahm dann Papyrus, nahm Papier.
Doch stets mit Hand im Kunstquartier.

Selbst als die alten Landesfürsten
nach Bildern ihrer Nasen dürsten
gab es fürwahr nur eine Wahl,
zu schaffen dies mit Malermal.

Erst als das Licht war neu erfunden
Und stehen mußt man für Sekunden,
konnt‘ Bilder schießen man ganz schnell,
ob dunkel es war oder hell.

Heut‘ kann man, fast ist es Magie,
die Umwelt bannen wie noch nie
bereits auf ein ganz kleines Stück
Silizium. Fast zum Stein zurück.

 

[2012]

 

Glücksbringer

Mein Bärchen sitzt im Grase still verborgen,
um Glück zu bringen, täglich Sonnenschein.
Gleich dem Marienkäfer nie allein,
daß schnell entfliehen Unheil mir und Sorgen.

Doch nicht am Gelde soll das Glück mir hängen.
Mitunter braucht es gar nicht mal so viel.
Mehr noch sei unser angestrebtes Ziel,
des Schicksals Lauf mit Hammerkraft zu drängen.

Mag‘s anfangs aus dem Dunkel sacht nur leuchten.
So ist es mehr, als was zwei Menschen bräuchten,
wenn sie verbindet ein gemeinsam Herz.

Dann findet sich, was manche niemals finden,
und wenn sie um Symbole schier sich winden.
Ein lieber Kuß vertreibt uns jeden Schmerz.

[2013]

 

Diogenes

Diogenes, welch wunderbare Wonne
erlebst du wohl in deiner eignen Tonne.
Herzlichst gesteht man dieses dir gern zu.

Zumal so manche von uns lieben Leuten
sich selbst auch kurz am Rückzugsgeist erfreuten,
da oftmals Streß Feind lang ersehnter Ruh.

Bedenk jedoch, daß Abgeschiedenheiten
die Menschen selten ganzheitlich begleiten,
derweil sie dem Einzelnen die Freude stiehlt.

Drum komm heraus aus deinem Holzgestade,
denn mit der Zeit wird selbst der Kriegslohn fade,
weil ganz gewiß man irgendwann aufs Neue schielt.


[2013]

 

Im Alter

Das Alter läutet voll sich ein.
Die Jahre werden kürzer.
Kein Regen wird zum Sonnenschein
und Beugen wirkt gestürzter.

Der Jugendwahn trägt nur Verdruß
seit tausenden Minuten.
Wer nun etwas bewirken muß,
der sollte sich recht sputen.


[2015]