Politische Lyrik

 

Inhalt:

1.      Unteroffizier vom Dienst

2.      Großes schafft

3.      Welch frische Luft

4.      Es steht ein Mensch

5.      35 Jahre DDR

6.      Der Flug der Taube

7.      Ensemble "Solidarität"

8.      Ökokalypse

9.     Mensch und Gesellschaft

10.  Wende

11.  40 Jahre DDR

12.  Giftmüllsaga

13.  Freiheit?

14. Gedanken am Morgen

15. Banges Licht im Dunkeln

16. Arbeitsunfall

17. Ballade vom kleinen Geld

18. Mal wieder

19. Nippon nippt

20. Ritterlich II

21. Arabischer Winter

 

 

Delacroix, Eugene 1798-1863.
"Die Freiheit führt das Volk"

 

Käthe Kollwitz 1867 - 1945

 

 

 

 

Unteroffizier vom Dienst

Vom Rauch umzogen -
Von Musik umlagert -
Von Alkohol benebelt -
sitzend über einem Buch -
der UvD.

Vom Offizier gescholten -
Vom Uffz belegt -
Die Uhr bestarrend -
und Tagedrücken -
der UvD.

Zum Dienstschluß hoffend -
Schlaf in den Augen -
Essenzwanglos -
und Ruhe die letzte Stund' -
der
UvD
.

[1979]

Großes schafft

Großes schafft der Geist,
schafft er es frei und ungezwungen.
In Unfreiheit und Zwang
nur Verzerrung und Wahnsinn.

Großes zu schaffen ist der Sinn.
Großes zu schaffen der Intelligenz Aufgabe
Eingeengt ist nichts zu schaffen
Nur Verzerrung und Wahnsinn.

Drum schaffe Du Großes,
gleich wer und wo du aus seist.
In Gefangenschaft bist du nichts,
Nur Verzerrung und Wahnsinn.

[1980]

Welch frische Luft

Oh, welch frische freie Luft
erquickend einzuatmen
nach der Krankheit schweren langem Tag
und der erdrückend mehrjähriger Pein
in der Jugend Grab.

Nun denn, lasset nehmen auf
der Freiheit hohem Glanz
und sauget ein
und ziehet eure Bahn
dem Vogelfluge gleich
durch Wiesen und durch Au'.

[1980]

Es steht ein Mensch

Auf dem Bahnhof
zum Zuge der Zeit
steht ein Mensch,
zum Leben bereit.

Er steht
auf festen Beinen.
Steht für Fremde
und für die Seinen.

Wartend auf Kommendes,
des Wissens bewußt.
Geboren in Freiheit,
an der Zukunft Brust.

Durch Triebe und Liebe,
erzogen der Welt,
und ohne Angst
vor dem, was zählt.

[1982]

35 Jahre DDR

Fünfunddreißig Jahre DDR:
eine Zeit der Pläne,
der Arbeit
und des Glücks;

eine Zeit des Lernens
für heute und morgen.

Gestern noch Umbruch
und Aufbrauch
und heute schon
auf festen Beinen
in eine neue Zeit.

[1984]

Der Flug der Taube

Picassos Taube fliegt mutig voran,
von Spanien her, das Feuer im Bann.
Sie erblickte Moskaus goldene Türme
und in Stalingrad der Helden Stürme.
Und als der Frühling kam ins Land,
sie die Fahne ins Gestein gerammt.
Gestein war nur nach Hiroschimas Glut.
Der Taube, der Weißen, gefror das Blut.
Es stürzt sie hinab aus freien Höh'n,
um heutzutag' die Bombe zu seh'n,
Ihr Leute dort, in Washington,
gedenkt der Tochter, gedenkt dem Sohn
Daß nicht sie fallen, wie der Taube Flug;
Daß nicht sie sterben, durch euren Betrug!
Und alle ihr Menschen der Welt,
fangt auf die Taube,die den Frieden erhält.
Besonders du, Jugend der Welt,
bewahre die Erde, die das Leben erhält.

[1985]

Ensemble "Solidarität"

Die Mikros steh'n, die Boxen auch,
Instrumente wohlgestimmt,
und flüsternd, sehr erwartungsvoll,
ein Rund, das Kunst einnimmt.

Aus siebzehn Ländern kommen sie.
Sie lernen hier Verstand -
Studenten aus der ganzen Welt
und unsrem Vaterland.

Nun heute, fünfzehn Jahre jung,
versammelt ist es hier;
Ensemble Solidarität.
Gemeinsam singen wir.

Die Menschen eint ein weites Band,
das um die Erde zieht.
Wir sind nicht mehr alleine da.
Steht auf, singt unser Lied!

Sie treten auf im weißen Kleid
und singen wunderschön,
Des Volkes Liebeslied für uns,
die Hellas aus Athen.

Europas erste Staatenbild,
verrauscht vor langer Zeit.
Der Türken Joch, Faschistenwahn.
Jetzt ist es auch befreit.

Folklore reißt die Herzen hoch,
der Zeiten, Länder Glanz.
Die Volksmusik für jung und alt.
Tonkrug spielt auf zum Tanz.

Die Kultur! Die Kunst! Das Erbe!
So viel uns geben sie.
Auf ihrem Pfad zu wandeln
heißt: Wir verzagen nie!

Die Mutigen mit schwarzem Haar,
sie zeugen vor uns da.
Die Lebensfreude Vietnams
schallt laut aus Asia.

Es hatte dreißig Jahre Krieg,
das Land am Meer so klein.
Imperium und USA -
sie brachen es nicht ein.

Die Stimmen schallen laut und stark.
Ganz ohne Ach und Weh.
Wir alle sind mit ihnene eins.
Der Gruppe A N C.

Am Kap da liegt ein fremdes Land.
Ein Schwarzer zählt dort nicht.
Ben und Steve sind nicht mehr da,
doch Nelson sieht bald Licht.

Ihre Heimat brachten sie uns nah,
Alerce aus dem Chile.
Und als dann "An die Freude" erklang,
sangen sie für viele.

Das Andenvolk, es ist so fern.
Ihr Kampf bringt es uns nah.
Venceremos, Companeros!
Der Sieg ist für euch da.

Der Beifall endet nicht im Saal.
Freundschaft ist Parität!
Verbundenheit der Völker heißt
heut' S o l i d a r i t ä t !

[1985]

Ökokalypse

Nebel senkt sich
schwer hernieder.
Auf den Kopf
und auf die Glieder
und die Lunge -
Atemnot!

Bäume sterben,
Tiere fliehen -
und die Menschen?
Sieh! sie ziehen
in den eignen
Ökotod!

[1990]

Mensch und Gesellschaft

Solange der Mensch nicht
wie eine Mutter zum Kinde
zu seiner Gesellschaft steht,
wird Geschwür er sein
in dieser Gesellschaft,
nicht Mensch.

[1992]

Wende

Oh, jetzt bin ich da,
im Westen.
Ist das alles wahr?
Zum besten
stand es noch nie
und jetzt
beugt ich die Knie
verletzt;
seit sieben Jahr.

[1997]

40 Jahre DDR
oder Ein fragmentarischer Rückblick

Verschwommen durchlebt
von Gefühlen erhebt
der Realität entschwebt
und zweifelnd verhebt

Die alte Garde
im Stillstand harrte
erblindend warte
und zweifelnd starrte

In Theorie verirrt
beim Versuch beirrt
durch Chancen verwirrt
und zweifelnd geirrt

Im Wandel verloren
ungläubig geboren
dem Alten verschworen
und zweifelnd erkoren

Auf letzten Spuren
mit stehend Uhren
zu neuen Huren
nicht zweifelnd fuhren

[1998]

Giftmüllsaga

Hinterm Giftmüllwerk
steht ein Giftmüllberg
und ein Giftmüllzwerg
geht spazieren.
Sucht sich Giftmüll raus,
um im Giftmüllhaus
seine Giftmüllmaus
zu verführen.

Schon seit langer Zeit
ist er stets bereit
auch wenn's sauer schneit
sich zu küren.
Einst aus Schutt geklont,
nun im Abfall wohnt
und auf Halden thront
mit Allüren.

Seine Plastiknas'
kann im toten Gras
manches heikle Gas
inhallieren.
Was wird das für'n Fest,
wenn der letzte Rest
sich recyceln läßt,
transformieren.

[1999]

Freiheit?

Es war ein Mann,
der spränge gern
in brennend Öl.
So band man ihn
mit festen Stricken.
Doch schnell erhob
sich ein Geschrei,
nach Freiheit,
bis die Stricke rissen.
Kaum war er frei,
versank er schon in Flammen
und schrie entsetzt:
Au wei'! Au wei'!
Was hab' ich angefangen?

[9. November 1999]

Gedanken am Morgen

 


Und dann ist es wieder Morgen und ich sitze still beim Brot

und vor einer Tasse Kaffee; draußen glüht das Morgenrot.

Und das Radio spielt leise. Doch für mich wird’s langsam Zeit.

Noch die Nachrichten von heute, denn mein Arbeitsweg ist weit.

 

Dennoch schweifen meine Sinne durch die große, weite Welt.

Gehen dann weit weg vor Anker, wo nur selten Regen fällt.

Und ich denke an Gefühle, die so gar nicht meine sind.

Denke dann an Machtgefüge; wissend: Gier danach macht blind.

 

Blind für alles, was die Menschen froh und glücklich werden läßt.

Und im viel beschwornen Hause hält der Neid ein trefflich Fest.

Derer gibt es gar nicht wenig, deren Ämter sind ihr Los.

Und im eignen Land, im Dunste ihres Schattens sind sie groß.

 

Grade jetzt wächst die Bedrohung wieder riesenhaft heran.

Vom Diktat ist da die Rede und Gewalt nach nebenan.

Jener Wüstenfürst im Süden hat erpicht sich zum Despot

und zum Zentrum seiner Sphäre und sein Volk muß leiden Not.

 

Also wäre es verständlich und gar löblich von der Welt

wenn sie diesem Einhalt böte, ihn in Acht und Bann gestellt.

Freilich tauchen auf noch Fragen, die nicht nur die meinen sind.

Fragen nach der Wahl von Mitteln, deren Ausmaß Zwang bestimmt.

 

Wieder scheiden sich die Geister. Suchen nach der starken Hand

hier die einen und die andern mühen zweifelnd um Verstand.

Nichtens ist es heute einfach, einer Seite sich zu stell’n.

Es ist ganz gehörig schwierig wenn die Hunde konträr bell’n.

 

So denn bleibe ich alleine. Denke mir nur meinen Teil.

Hieße dies auch abseits stehen. Besser als am gleichen Seil.

Denn nicht plötzlich ist erschienen dieser böse Wüstenmann.

Haben sie ihn nicht gehoben erst auf dieses Machtgespann.

 

Niemand wird es wohl behaupten, daß allein er sich so gibt.

Viele Seinesgleichen führen ähnlich schrecklich. Es geschieht!

Sehr zerschunden ist die Erde, die für uns doch Heimat heißt.

Sehr zerschunden all die Völker, wie uns Ehrlichkeit beweist.

 

Weshalb, frage ich nun zögernd, schreit die Welt verblendet auf,

Wenn es gilt den Chef zu bannen hier. Den Andren freien Lauf!

Gibt es da nicht Erdölfelder? Oder einen heißen Platz,

im weltweiten Kriegsgespiele? Jedes Staubkorn wird zum Schatz.

 

Also frage ich mich weiter: Wer ist mit dem Finger dran?

Wer spielt liebend gern Trompete? Wessen Streichholz zündet an?

Ungern schimpfe ich vermessen fremde Richter Lügenbold.

Doch die Zeit wird es uns zeigen, was von ihnen ward gewollt.

 

Jene Zeit, die ich erhoffe unserm schönen Menschentraum

von dem Frieden, der verbindet uns zu einem Lebensbaum.

Hoffnung heißt die schwache Zehrung, die tagsüber mir im Sinn.

Komme ich am Abend heimwärts und blieb Frieden – Hauptgewinn.

 

[2003]

Banges Licht im Dunkeln

 

Die Hoffnung hat getrogen –

Die Bomben sind geflogen

Und fliegen jetzt noch immer

Und ohne Hoffnungsschimmer

Vergehen blutig Tage

Kaum Antwort auf die Frage

Nach Frieden auf der Welt

Dem nicht nur fehlt das Geld

Dem fehlt es an der Kraft

Als Gegenpol er schafft

Es nicht dem Kriege zu verwehren

Das Unheil zu vermehren

Auf unsrer Weltzeituhr

Sind Tod und Teufel stur

Und suchen ganz verbissen

Das was wir heut vermissen

Der Zukunft frohes Licht

In Dunkelheit es bang zerbricht.

 

[2003]

 

Arbeitsunfall

 

Was vom Dache hängt hernieder

senkt sich tief in Schädels Mieder

und läßt sprudeln rotes Blut.

Ach, wie weh der Kopf mir tut.

 

Schnell der Weg ist aufgenommen

um zum Arzte hinzukommen.

Dieser, mit geübtem Stich,

näht nun zu, wo ´s Blut entwich.

 

Später sitz ich dann allein.

In der Hand den Krankenschein

der Genesung mir verspricht.

Freilich glücklich bin ich nicht.

 

Denn was sollen die Papiere

Hilfe schenken im Quartiere

Mir zu dieser schweren Zeit;

wär zur Arbeit doch bereit.

 

Lohn und Brot wird es nicht steigern,

wenn der Chef sich auch nicht weigern

kann und Euros zahlen muß,

bleibt doch dennoch nur Verdruß.

 

Also paß du auf beim Werken,

daß die Säfte sich verbergen

im beschützten Körper drin.

Denn nur dies gibt Arbeit Sinn.

[2005]

 

Ballade vom kleinen Geld

 

Als vor vielen tausend Jahren

Urmensch Fuchs hat neu erfahren,

daß ‘ne Muschel auf der Welt

viel mehr als ein Sandkorn zählt,

zog er fort von seiner Wiese

um zu finden, tauschen diese.

 

Alsbald fand er in den Weiten

der noch unbekannten Breiten

manche wenig kluge Schar,

die er nutzte für sich gar.

Für ihn gern gesehene Leute,

um zu nehmen sie als Beute.

 

Als dann aus besagten Zwängen

konnten sich die Reichen drängen

an das Steuerrad der Macht,

war ein neuer Drang erwacht,

der das Geld ließ heftig rinnen,

um mehr Reichtum zu gewinnen.

 

Also suchten aller Orten

schwarze wie auch Goldne Horden

Hab und Gut von fremder Hand

anzueignen ungalant.

Denn es sind zu harte Zeiten,

um nur Wohltat zu verbreiten.

 

Als man schuf dann bunte Scheine,

zu ersetzen goldne Steine,

die zu schwer im Mantelsack

und auffällig auch im Frack,

konnte man das Geld vermehren,

um zu frönen eignen Ehren.

 

Als ob dies noch nicht genüge,

man sich gegenseitig trüge

mit dem allbekannten Satz

von der Taube und dem Spatz.

Dieses läßt sich sicher sagen,

um zu raffen, um zu wagen.

 

Als das Heute angebrochen

wieder neu vor tausend Wochen,

findet jeder seinen Raum

auf dem neuen Ständebaum.

Wer da hat, kann sorglos tanzen.

Wem es fehlt, trägt schwer am Ranzen.

  

Als ich einmal selber suchte,

ob mein Kontostand verbuchte,

was an Werten mir zu stand,

sah ich reichlich leeres Land.

Doch was hilft mir alles Klagen,

muß mein Ränzel weiter tragen.

[2010]

 

Mal wieder

 

Mal wieder saust der Wüstensturm

durch vieler Herren Länder.

Mal wieder bindet der Kriegsgott

manch blutige Gewänder.

 

In Afrika regiert der Mob,

hätt früher man geschrieben.

Heut nennt man Freiheitskämpfer sie,

die sich in Hoffnung wiegen.

 

 Nichts liegt mir ferner als dem Volk,

das um sich zu beweisen

das Schicksal in die eigne Hand,

sich nimmt, die Chance zu entreißen.

 

Arabien steht in Flammen heut,

wie einst vor hundert Jahren.

Was daraus wird und wer sich freut,

wird später man erfahren.

[2011]

 

Nippon nippt

 

Im Osten bricht die Erde auf,

dort wo die Sonne ihren Lauf

an jedem Tage früh beginnt.

Der Druck schiebt Japan kreuz und quer,

viel schlimmer noch, vom nahen Meer

eine gewaltig Welle rinnt.

 

Und nichts hält diesem Wasser stand.

Was einst geblüht am fernen Strand

wird haushoch weggespült.

Nur Trümmer bleiben jetzt zurück

und mit viel mehr als etwas Glück

hat die Atomkraft ausgespielt.

 

Zu tausenden das Leben weg

auf diesem leidgeprüften Fleck,

der schon mal nuklear gekippt.

Als Mahnung stand Hiroshima

seither für alle Menschen da.

Nun wird erneut am Kelch genippt.

 [2011]

 

Ritterlich II

 

Ein Ritter ritt ganz ritterlich
zu Fürchtegott und fürcht' sich nicht.
Dort an den alten Schranken, Pforten
bewarfen sie sich nicht mit Torten.
Sie nahmen Streitaxt, Schild und Speer,
zu wahren Leben, Gut und Ehr'.

Doch als der Tag dann war zu Ende,
enthüllten beide ihre Hände
und schlugen sich auf ihren Magen:
"Ein Faß voll Wein könnt' ich vertragen."

So sah es oft bei Ritterns aus.
Sie liebten Kampf und Wohlstandsschmaus.
Doch ging es mal um kleine Leute,
war'n faul sie, wie die Herrn von heute.

 [2011]

 

Arabischer Winter

 

Aus Frühling wurde blutig Winter.
Der nimmt sich Männer, Frauen, Kinder.
Was einst war Mensch, scheint nun ein Wurm;
gekrümmt, zerzaust im Wüstensturm.

So viele müssen Not erleben
und ins entfernte Ausland streben.
Sie bluten Öl und Taktik aus
für manch Geschäft im fremden Haus.

Jetzt hier an westlichen Gestaden
benennt man sie lieblos als Maden,
die unrechtmäßig leben wollen
und ihrem Schicksal flüchtend grollen.

Dabei bezahlen sie nur das,
was global füllt der Reichen Faß.
Die ihrerseits im trüben fischen
und unsereins manch Mär auftischen.

Auch wenn Muslime anders glauben,
darf niemand an der Freiheit schrauben.
Die Erde hat für jeden Platz
und Leben ist der größte Schatz.

[2016]