Heimatliche Lyrik

 

Inhalt:

  1. Abschied vor der Reise

  2. Herbstseminar

  3. Das Rebhuhn

  4. Frühling

  5. An den Petersberg

  6. Kurz vor Weihnachten

  7. Frühjahrsputz

  8. Wanderurlaub

  9. Regentropfenreise

  10. Klassentreffen

  11. Abendrot

  12. Wildschweinsaga

  13. Wolgawiesen

  14. Wunderbar Dunkelbar

  15. Freiwillige Feuerwehr

  16. Auf dem Kickelhahn

  17. Romreise

  18. Die Stille

  19. Braun und weiß

  20. Weltenlauf

  21. Frühlingssonett

  22. Auf dem Bauernhofe

  23. Der Geizhals

  24. Anstandslos

  25. Die Nase

  26. Ritterlich

  27. Bauernwirtschaft

  28. Pech gehabt

  29. Rätsel vom bekannten Land

  30. Mitnichten

  31. Ruprechts Tanne

  32. Frühlingsbilder

  33. Kleiderordnung

  34. In Nachbars Garten

  35. Jahreswetter

  36. Die Kleinbahn

  37. Sturm am Meer

  38. Ein Sommertag

  39. Der Kranich

  40. Frühlingssonett - II

  41. Gartenarbeit

  42. Entspannung auf der Insel

  43. Unheil am Meer

  44. Auf dem Balkon

     

     

 

 

Caspar David Friedrich
Kreidefelsen

 
 

 

 

Abschied vor der Reise

 

Ade, du schöne Landschaft.
Ade, du Berg und Tal.
Nun sehen wir uns heute
ja zu letzten Mal.

Nun muß ich von dir scheiden,
weit weg von diesem Ort.
Drum grüße ich dich nochmals,
das ist mein letztes Wort.

Doch sehen wir uns wieder.
Vielleicht im nächsten Jahr.
Wird es dann genau so,
wie es einmal war?

[1968]

Herbstseminar

Regenschauer durchzieh'n das Land,
machen naß die Hüte.
Hab ein Buch in meiner Hand
und bin schrecklich müde.

[1979]

Das Rebhuhn

 

Ein Rebhuhn saß auf einem Baum
und hatte einen schönen Traum.
Dann kam es, wei es kommen muß.
Ein Jäger kam, es fiel ein Schuß.
Das Rebhuhn fiel von seinem Baum.
- Aus war der Traum.

[1995]

Frühling

Frühling, wo bleibst du
dieses Jahr
verschwenderisch, betrügerisch
zu Beginn.
Hoffnung auf den Sommer
vielleicht

[1998]

An den Petersberg

 

Berg, du, im Rücken mir
mich in das Tal begleitest.
Bekränzt von Waldeszier
Kulturen du verwaltest.

Vergleichbar nicht an Größe zwar,
doch wirksam oft im Wetterjahr.
Wie auch dein Blick
seit Tausenden von Jahren,
den Menschen beistand bei Gefahren.

Nach Süden hin die Stadt
sich wechselhaft gestaltet.
Einst Salz, Chemie sie hat'
heut' wirkt sie oft veraltete.

Von weit her sieht man deinen Turm,
der trotzig stand durch manchen Sturm.
Und auch nicht weit
aus einem alten Feuer,
sich stolz erhebt ein religiös' Gemäuer.

Wär' flach der Erdenball,
ostwärts ich könnte schauen
zu russischen Ural.
Kein Fels mir tät's verbauen.

Warst Lauterberg du einst geheißen.
Zum Petersberg jetzt viele reisen.
Obwohl derzeit
in Speißen und Getränken
sich heute niemand kann versenken.

Im Norden plan das Land.
Spitz nur an einer Stelle.
Erzeugt von Abraumsand
aus Steinkohlengefälle.


Umhüllen dich auch manche alte Märchen,
bist weiter Nest für viele junge Pärchen.
Als Sonnenfreund
dich jedermann gern achtet,
der sonst in kaltem Alltag schmachtet.

Dort, westlich liegt im Tale,
wo ich gerastet hab,
die heimatliche Saale,
dem Kreis den Namen gab.

Noch viele Jahr wirst du steh'n.
Wenn Menschenalter auch vergeh'n.
So bleibst du jung,
trotz Narben in der Flur,
für Pflanzen, Tiere, die Natur.

[1998]

Kurz vor Weihnachten

Schnee fällt leise auf uns nieder.
Kerzenschein hüllt feierlich uns ein.
Zum Jahresende klingen fromme Lieder.
Hoffnung auf ein Glück im Sonnenschein.

Viele feiern Weihnacht in Familie.
Doch manchem blieb nicht mal ein Platz Zuhaus.
Erscheint uns derzeit auch die Welt als Lilie,
so sind wir lange noch nicht aus den Disteln raus.

Ringsum ist die Zeit im Wandel.
Eines blieb, um wirklich reich zu sein
zählt nur Geld, trotz Wohltätigkeitsmantel,
unverändert auf der Welt allein.

Aus dem Glanz, der länger uns nicht blende,
schimmert schwach nur fremdes Leid heraus.
Verschieden stark lief ab das Leben nach der Wende.
Noch lange sind wir nicht im gleichen Haus.

[1998]

Frühjahrsputz

Nach so kalten Wintersnächten
dient der Durchblick dem Verflechten
himmlischer Gefühle
in des Frühlings Lustgewühle.

Frauen sieht man, wenig Mannen,
die mit Besen angefangen,
alten Schmutz auf alten Scheiben
auf der Leiter sauber reiben.

Solltest du herunterfallen,
wird in mir mein Herze wallen
heiß und heftig. Stark und schnell
bin sogleich ich dir zur Stell.

Mit den Armen, meinen starken,
fang ich auf, dich einzuparken.
Und wir drehen uns im Reigen,
altem Winter, Nase zeigen.

In der Tat, es ist gar leicht
wenn die Lieb das Herz erreicht
und die Frühlingssonne lacht,
Liebe machen, Spaß und macht.

[2000]

Wanderurlaub

Hurra!! Wir haben Urlaub.
Doch geht's nicht an die See.
Wir fahren ins Gebirge
und brauchen nicht mal Schnee.

Wir fahren in den Süden,
durch Dresden, Elbflorenz -
besuchen auch den August
auf seiner Residenz.

Vom Königstein, der Festung,
gehts 'nüber zur Bastei.
Im Fels spielt man Theater
und wir sind mit dabei.

Stromaufwärts, bei Bad Schandau,
liegt unser Urlaubsort.
In Rathmannsdorf, als Gäste.
Ach! müßten wir nie fort.

Nicht nur auf Kletterwegen,
auch mit der "Straßenbahn"
kann man durch Täler reisen;
kommt sogar trocken an.

Das göttliche vom Ganzen,
von dieser schönen Welt,
vom Elbsandsteingebirge,
ist, daß es uns gefällt.

Drum kommen wir gern wieder,
verkündens jederzeit
und allen, die wir kennen;
Der Sachsen Schweiz bringt Freud.

[2002]
[geschrieben zwei Tage vor der Flut]

Regentropfenreise

Einst ein Regentropfen

tat aufs Häuschen klopfen.

Machte nicht viel Krach

auf dem kleinen Dach.

Und von seiner Wand

fiel er in den Sand.

Ist nach hundert Wochen

zurück ans Licht gekrochen.

War just er dann zur Stelle

an einer kleinen klaren Quelle.

Dort gab es keine Ruh’,

lief schnell dem Meere zu.

Durch Bach und tiefen Fluß

er erst noch schwimmen muß.

Und aus der größten See

schwebt leicht dann in die Höh’.

Um schließlich stracks aus allen

Wolken flink hinab zu fallen.

[2003]

Klassentreffen

Wo einstmals Uhren schlugen,

versammelt sind wir hier.

Befreit von Schulzensuren,

bei Wein und Korn und Bier.

 

Vor nunmehr dreißig Jahren,

als man noch jung uns sah,

als wir noch unerfahren,

der Zukunft noch nicht nah,

 

da traten wir ins Leben,

in Haushalt und Beruf.

Gewappnet so grad eben

Wie uns das Leben schuf.

 

Der eine ward ein Doktor,

der andre Maschinist,

der dritte zog das Land vor

zu gabeln manchen Mist.

 

Ein Handwerk auszuüben

verschrieben sich ein paar,

Lektionen einzuüben

durch Schüler manche gar.

 

Ob Jungen wir gewesen,

ob Mädchen wir einmal;

Welch Lebenslauf wir lesen

war nicht nur unsre Wahl.

 

Und unsre Lehrer heute,

vormals sind sie wie wir.

Gesetzt erfahrne Leute,

auf sie „Zum Wohle“ hier.

 

Ein Prosit auf uns alle,

die wir gekommen sind

denn grad in diesem Falle

zerrinnt die Zeit geschwind.

 

Mag unser Fest gelingen,

erzählen gibt’s gar viel.

Die Gläser laßt erklingen.

Frohsinn sei unser Ziel.

 [2003]

Abendrot

Sieh des Tages rote Glut

sich in Streifen abends zieren

und das Licht mit letztem Mut

vor dem Schatten selbst zu frieren.

 

Tiefer senkt sich das Gestirne;

trotzig mit Medusen Macht

greifen ihre dünnen Hirne

schlangengleich gen naher Nacht

 

Und dann ahnt man unverdrossen

das was Menschen Macht entflieht,

was im ewgen Kreis geschlossen,

unentwegt nach vorne zieht.

 

Dieses Vorn, wer kann’s verdenken?

gibt dem Weltkreis neue Kraft.

Was die Pause kann verschenken,

ehrt das, was die Tat erschafft.

 [2004]

Wildschweinsaga

Auf ´nem Berge lag einmal

just ein Keiler, voll von Qual.

Konnt nicht sitzen, konnt nicht stehn

und schon gar nicht abwärts gehn.

 

Grad zur Suhle wollt er hin,

ruhen dort im Wildschweinsinn.

Doch die Kräfte ließen nach.

´s war zum Jammern, Weh und Ach.

 

Bald schon würde aus es sein,

aus mit seinen Schweinereien,

aus, mit all den großen Sprüngen;

Frischlinge davon schon singen.

 

Wie gerad’ an jenem Bache.

Munter buhlt um jene Sache

ungezähmt ein ganzer Wurf,

wie im Schlamm so auch im Torf.

 

Ach, wie tät er gern mitwühlen.

Mocht’ ein letzten Mal erfühlen

wie ihn kühles Wasser näßt

bei dem wilden Wildschweinfest.

 

Da, von ferne kam gezogen

schon die Nacht mit Wolkes Wogen

schwarz und düster, regenschwer;

gar mit Blitz und Donner her.

 

Voll vor Angst die Blicke wandern,

von dem einen Schwein zum andern

und zum Himmel selbst hinauf.

Furcht ergreift der Bachen Lauf.

 

Ob am Hange, ob im Tale;

alles rennt mit einem Male

wild umher und auch kreuzweis’

und dabei nicht einmal leis.

 

So nun lag der alte Keiler

fest verankert wie ein Pfeiler

ganz allein am Berge oben,

während drüber Stürme toben.

 

Bebend wollt er nur noch sterben.

Dacht so gar nicht an die Erben,

die bereits schon lang entflohn,

ohne Lust auf Donnars Lohn.

 

Wallend füllte sich der Graben,

den des Regens Früchte haben

einst vor langer Zeit gezeugt,

als sie talwärts sich erfreut.

 

Wieder rauschten Wasser nieder,

knapp vorbei an Keilers Mieder

und mit schrecklichem Getöse,

grad als seien Götter böse.

 

Und das Wasser nahm sich fort

Stück für Stück vom irdnen Ort.

Wandelt Erde um zu Schlamm.

Zerrt am Berge wie ein Kamm.

 

Bald schon wird der Hang erfahren,

daß in vielen trocknen Jahren,

sich vom Staub zuviel gelegt.

Dieser ward nun wegbewegt.

 

Aber auch die größten Wolken

sind mal leer und abgemolken,

wie nun auch die Dunkelheit

weichen muß dem Sonnenschneid.

 

Unser Keiler, noch am Leben

fühlt er sich und ließ erheben

seine Augen aus dem Grund

und erblickte neu das Rund.

 

Das was vorher hart und trocken

war nun naß. Es hocken

schon die ersten Vögel gar

vor ihm selbst, als ob nichts war.

 

Mit der letzten Kraft der Stunde

wälzte Keiler Rund um Runde

sich dem nahen Abhang zu,

um zu finden letzte Ruh’.

 

Doch mitnichten ging es böse

abwärts und frei von Getöse,

fand er sich bald unten wieder.

Labend wohl im Schlamm die Glieder.

 

Ja, so ist es oft im Leben.

Was als schön gilt, trifft uns eben

unerwartet hart und schwer

wie so mancher Sage Mär.

 

Andrenfalls sind uns die Lasten

unter denen wir nicht rasten

können, oftmals süßer Lohn

auf des Glückes höchstem Thron.

 

Also nimm das Leben heiter.

Denn es geht gewiß schon weiter

wenn du es auch nicht mehr glaubst

und an deinem Zweifel schraubst.

 

[2004]

Wolgawiesen

Jawohl, ach, die alte Olga,

soll mit ihrem Sohne Kolja

an dem Flusse namens Wolga

ganz ausgiebig und schön laut, ja

handgreiflich geschimpfet haben,

als sie zog ihn aus dem Graben.

 

Weil auf fahlem, grünem Rasen

sich der Faden um des Hasen

dünnen Hals geschlungen,

wie erdacht von Olgas Jungen

und getreu nach dessen Sinnen

flog des Hasen Seel’ von hinnen.

 

Und so packt sie beide Ohren,

eins vom Hasen, eins vom mohren-

gleichen Knaben rechts von ihr,

der gemeuchelt hat das Tier,

welches im Morast einst träge

hoppelte; nun baumelt ’s schräge.

 

Wenn sie dann nach Haus gekommen

und der Bube hat genommen

sein längst fällig Bad im Troge

mundet ´s in des Mutters Soge

erst dem Bruder und den Schwestern;

ihm bleibt nur der Rest von gestern.

 

[2005]

Wunderbar Dunkelbar 

Was die Augen nicht gesehen,

was der Geist hat nicht gedacht

ist am Abend heut geschehen;

schwärzer war’s als finstre Nacht.

 

Wo der Hof zum Haus sich wendet,

leises Wort den Wunsch bestimmt,

Eingang matt nur Dämm’rung spendet.

Anderssein uns mit sich nimmt.

 

Schritt für Schritt wird man geleitet

zu ´nem Platz, ich weiß nicht wo.

Ordnung stets die Tat begleitet.

Chaos herrscht, wär es nicht so.

 

Nun denn sitzen wir verwundert

und gespannt, was da noch kommt.

Leises Lachen uns aufmuntert.

Trank und Speise folgen prompt.

 

Scharfe Sinne, sie erstreiten,

was der eine uns verwehrt.

Schwer sind Bilder, wenn sie leiten

Herz und Gaumen kreuzverkehrt.

 

Tastend suchen wir die Gabel.

Tastend auch den Tellerrand.

Führen langsam ´s Mahl zum Schnabel;

die Serviette in der Hand.

 

Auch ein Trunk wird eingenommen

und der Nachtisch mit Gefühl.

Anders geht’s, als wir gekommen,

heimwärts in das Stadtgewühl.

 

Auf dem Weg nach Haus das Wissen,

daß ich vieles neu geseh’n.

Möcht’ mein Augenlicht nicht missen,

unbeschwert durchs Leben geh’n.

  

[2005]

 Freiwillige Feuerwehr

In Wallwitz gibt’s ´ne Feuerwehr,

die fährt dem Feuer hinterher.

Das ist seit alters her so Brauch

und darum machen sie es auch.

 

Doch wenn sie ´s Feuer nicht erreicht,

dann machen sie es sich ganz leicht.

Sie fahr’n zurück zu sich nach Hause

und löschen dort mit Bier und Brause.

 

Doch trifft sie auf den Roten Hahn,

dann geht es ganz schön forsch voran.

Mit Wasser oder mit viel Schaum

Verdirbt sie schnell der Flammen Traum.

 

Und ist dann alles pitschenass,

hei! was ist das für’n großer Spaß.

Drum, gibt der Alltag nicht viel her,

holt zu euch schnell die Feuerwehr.

  

[2006]

 Auf dem Kickelhahn

Ich stehe hier, wo Goethe einst gesessen

und lausch entzückt der ewig jungen Ruh.

In Wies’ und Tann erfaßt mich Sinnen, Missen;

erschließ die Welt mit Wanderstock und Schuh.

 

Die Wipfel, die den Dichterfürst umgaben

mit würdevollem Flair im deutschen Wald,

begrüßen mich wie alte Kameraden

und schenken neues Leben, neuen Halt.

 

Und schweig ich einst, wie es von ihm beschrieben,

wie’s auch die Vögel tun am scheid’nen Tag,

so weiß ich doch, daß sie sich immer wiegen,

die Bäume rings im Winde ohne Frag’.

[2006]

Romreise

Der Arbeit sind wir knapp entronnen,

wie vor uns manch berühmter Mann,

ins Land, wo wir uns heute sonnen,

nach Rom, im ganz antiken Bann.

 

Zunächst das Fliegen, nicht die Stärke

von meiner liebevollen Frau,

wie auch im Hafen, wo ich merke

wir sind im Ausland, ganz genau.

 

Im Bus geht’s dann durch dunkle Gassen,

die eng sind, doch nicht unbelebt.

Das Ganze ist noch nicht zu fassen;

uns holde Neugier sanft umschwebt.

 

Ein weiches Bett läßt uns erschlaffen.

Der erste Eindruck ist enorm.

Am Morgen werden wir uns raffen,

damit wir sind in guter Form.

 

Zu Fuß geht’s dann durch fremde Straßen,

mit ausgesuchtem Stadtplanziel.

Durch Parks, wo schon so viele saßen,

zum Kolosseum mit Gefühl.

 

Gewaltig heb’n sich aus der Senke

zweitausend Jahre. Fast instand

das steingesetzte Werk; ich denke,

was da gebaut ward – allerhand.

 

Wir lassen Rund um Runde liegen.

Links von uns sonnt sich ein Triumph.

Zum Forum Romanum wir fast fliegen,

was früher war ein tiefer Sumpf.

 

Beidseitig sieht man die Ruinen,

die immer noch gewaltig groß.

Als ob für Ewigkeit erschienen

ward doch besiegt von Strauch und Moos.

 

Wir blicken wieder auf  ’nen Bogen,

wie auch auf Säulen ganz aus Stein.

’ne Treppe sind wir hochgezogen,

erschaudernd, sinnend, fühlend, rein.

 

Und weiter führt uns unsre Reise

durch Gegenwart, Vergangenheit

zu Werken, die ich neidlos preise.

Baukunst, soweit das Auge reicht.

 

Das sieht ins Himmelsblau gewunden

ein Monument, nenn es pompös,

Dem König, der zusamm’ gebunden

das Land, das einst entehrt, entblößt.

 

Alsdann zur Säule des Trajanen

im Sonnenschein mit müdem Schritt.

Stehen staunend wir davor und ahnen

und enden unsren Stadtausritt.

 

Müde fallen wir in das Bette.

Genährt von scharfer Pfefferwurst.

Schnarchen beide dann um die Wette

nach dem Schlaftrunk für den Durst.

 

Ohne Traum zwar, doch wohl genossen

ging wieder eine Nacht vorbei.

Heut’ geht’s zu Spaniens Treppe Sprossen!

Beschließen nach dem Mahl wir zwei.

 

Als beide wir dort angekommen,

erfaßt uns die Ernüchterung:

Die Blumen sind alle weggenommen

und Märzen hat noch keinen Schwung.

 

So wenden wir uns nun zum Tiber.

Dem Flusse, dem die Stadt geweiht.

Am Wasser lang, im Freudenfieber,

geht es zur Engelsburg zu zweit.

 

Als Mausoleum man es erdachte;

für Hadrian, den Römerfürst.

Zur Papstes Zuflucht dann verflachte.

Was als Tourist du lernen wirst.

 

Wieder sind pflastermüd’ die Beine.

Auch steht der Heimweg uns bevor.

So wenden wir uns nicht alleine

der Unterkunft zu, schön im Chor.

 

Neuer Morgen heißt neu Erleben.

Zum Pantheon führt uns der Weg.

Das Grandiose läßt es erheben

aus sonstigem Alltagessteg.

 

Erneut heißt es uns sprachlos staunen.

Fast glaubt es kaum der schwache Geist.

Man hört nur hin und wieder Raunen.

Was Schöpfung derer uns beweist.

 

Klar kann man ewig hier nicht harren.

Dann heißt es, laßt uns weitergeh’n

zum Trevibrunnen, um zu scharren

uns um die andren Touriseen.

 

Welch simple Größe hier entstanden

aus einer wohlbedachten Gunst.

Bildhauer suchten einst und fanden

in totem Stein lebendig Kunst.

 

Nun folgen wir den alten Pfaden

zum Circus Maximus, der wert

zu sehen ist, wenngleich in Schwaden

die Zeit hat jede Spur verzehrt.

 

Doch einmal selbst am Ort zu rennen,

wo früher Pferd und Wagen stand,

läßt nicht mit Wortes Kraft sich nennen.

Es fühlen mußt Du mit Verstand.

 

Den letzten Tag woll’n wir genießen

der uns noch bleibt im alten Rom

Ein Vatikanbesuch! Beschließen

wir auf dem Weg zum Petersdom.

 

Vorahnend, daß er wird uns schmerzen

trotz neuem Höhepunkt der Fuß

und trotz der Freude tief im Herzen

verlangt uns diesmal nach dem Bus.

 

Früh morgens sind wir aufgebrochen.

Glücklich, daß nicht zu lang der Gang

der andren die sich auch versprochen

zu sein im Rest vom päpstlich Rang.

 

In Petri selbst war es bombastisch.

Auch wenn man nicht an Götter glaubt.

Und auf der Kuppel war’s phantastisch

Wenn man sich hat hinaufgeschraubt.

 

Dann ging es auch in die Museen.

Als Vatikanische bekannt.

Vor Laokoon wollte ich stehen,

wie er sich mit der Schlange wand.

 

Als Abschluß die Sixtin. Kapelle.

Sie ist allein Besuches wert.

Zu finden gehts nicht ganz so schnelle.

Denn Flur und Hallen sind begehrt.

 

Das scheinbar himmlische auf Erden

erstrahlt als künstlerisch famous.

Zeugt farbenfroh vom Geh’n und Werden

und ist in seiner Art grandios.

 

Erneut steht sprachlos man vor diesem,

das man nur schlecht beschreiben kann.

Fühlt klein sich unter Bilderriesen

doch groß auch als ein tätig Mann.

 

Bereits im Koffer sind die Sachen.

Manches Gefühl im Handgepäck.

Bewußte Reisen soll man machen,

denn dann erfüll’n sie ihren Zweck.

 

[2006]

Die Stille

Martha und Otto ins Gebirge nun fahren

und mit Verlaub, sie schwerhörig waren.

Sie suchen im Walde die göttliche Stille.

Verzichten auf Hörrohr, mitnichten auf Brille.

 

Als sie dann jetzt steh'n zwischen Flechten und Bäumen,

getrennt sie sich halten, verschieden sie träumen,

da ruft Martha ihren Gatten in gewohnter Weise,

er solle doch lauschen den Winden ganz leise,

ihr Antwort geben auf viele ihrer Fragen,

ob's ihm nicht auch so ginge in diesen Tagen,

ob er sie nicht auch höre, die Stille im Walde?

Worauf er nur brummelt: 's wär' so, schwieg sie nur balde.

 

Mitnichten tut sie sich seinem Wunsche erbarmen

und schreit ihm zu, mit wedelnden Armen,

daß er auch, würde er sich nur mühen,

gewähr tät der lautlosen Lüfte Erblühen.

 

Gewohnt schon, daß hier ist zwecklos ein Streiten,

tritt Marthens Gatte leis murmelnd beiseiten.

Indes sein Weib glaubt, er tät ihr noch schulden

die Antwort ob er hört die Stille in Mulden,

erhebt nun die Stimme zum wievielten Male,

wieso er nicht höre dies Flüstern im Tale.

Ob taub er wohl sei, ob er könne nicht schätzen

die friedvolle Ruhe? Muß er denn nur hetzen?

 

Man sei schließlich hier, um Entspannung zu finden.

Doch er steht hier 'rum, als sein die Tannen die Linden.

Und als sie ihn schubsen wollt mit dem Stocke

konnt' er sie nicht halten am fliehenden Rocke,

konnt' Marthen nicht halten am fellenen Saume.

Hält grad noch selbst sich am eisigen Baume.

So rauscht sie hinab, als sei 's Schicksals Wille.

Er zuckt nur die Schultern und meint: Nun ist Stille.

 

[2006]

 Braun und weiß

Einst zog ein freier brauner Bär

aus Ostmarks Wäldern, Breiten

freimütig in das bayrisch Land;

wie’s Brauch in alten Zeiten.

 

Er stapfte durch das grüne Tann.

Zog hinter sich markante Spuren.

Ward mal bemerkt, mal eben nicht

auf Bayerns allbekannten Fluren.

 

Klar riß er manches kleine Lamm.

Wie sollt er sich ernähren?

Kein Supermarkt bot ihm was an.

Logisch auf Mensches Erden.

 

Und diese Menschen zogen aus,

bewaffnet bis zu den Zähnen,

auf große Jagd und hofften ihn

sogleich als tot zu wähnen.

 

Doch mancher Schuß verpufft’ im Wald,

grad gut für Medienrummel.

Der Meister narrte manchen Geck

mit seines Schwanzes Stummel.

 

Nur leider trifft das Sprichwort zu,

vom Kruge an dem Wasser.

Ihm blieb letztendlich keine Chance.

Des Menschen Gier wird krasser.

 

Jetzt hängt sein Fell wohl irgendwo.

Das letzte Stündlein hat geschlagen.

Die Presselandschaft hat `n neues Ziel –

So ist’s in diesen Tagen.

 

Und heute lacht das Zeitungsherz

erneut beim Nachricht lesen.

Ein neuer Bär füllt manches Blatt,

wie damals es gewesen.

 

Doch diesmal ist sein Fell ganz weiß.

Im Zoo läßt er sich zeigen.

Wird dargestellt, grad wie ein Clown.

Statt Jagdhorn, hört man Geigen.

 

Die Tollheit treibt die Menschen weit.

Manch Eltern sind hier Spitze;

benennen jüngsten Sproß nach ihm.

Welch sonderbare Witze!

 

Mitnichten wünsch ich ihm Verdruß.

Mag er sein Leben leben

und hoffentlich, wenn er mal groß,

muß nicht sein Fell hergeben.

 

Der weiße Knuddelknut ist süß

und bravgelegt auf Zirkusweise.

Der braune Bruno war indes

zu frei und gar nicht leise.

 

In meiner Kammer denk ich still,

was soll nun das bedeuten?

Was die Geschichte uns gezeigt,

wächst weiter in den Leuten.

 

Bislang zeigt deutlich diese Mär,

daß wir uns nicht beschränken,

einander selbst nicht gleich zu sein,

obwohl wir doch gleich denken.

 

[2007]

Weltenlauf

Als die Welt noch nicht erwachte,

als das Universum schlief,

als es gab noch nicht um achte,

als noch niemand jemand rief,

 

als das Kleinste aller Kleinen

kleiner noch war als ganz klein

und das Reinste aller Reinen

reiner noch als wirklich rein,

 

war noch nichts, was all die Dinge,

die hier sorgsam aufgereiht,

hätte je benannt. Auch Ringe,

Kreise nicht; kein weit und breit.

 

Doch dann gab’s mit einem Male

aus dem wahren Nichts heraus,

wie die Welle aus dem Tale,

einen Ruck ins gradeaus.

 

Da, wo bislang nichts gewesen,

herrschte plötzlich Chaos vor.

Keine Ordnung war, kein Besen,

der hier eingriff, Zeus beschwor.

 

Rasend schnell gewann an Größe

alles das, was vorher klein.

Wo erst Stille war – Getöse,

wo’s erst finster – heller Schein.

 

Und es dehnt sich aus das Ganze.

Keiner weiß wohin? Wie schnell?

Aus dem Chaos wird Balance.

Wird’s die Welt eventuell?

 

Nebel steigen auf aus Gasen.

Steine aus der Nebelfront.

Und sie stoßen sich und rasen

durcheinander ungewohnt.

 

Immer größer wird die Hülle.

Stetig zeigt der Masse Zahl.

Kreisend dreht sich fort die Fülle.

Tobend Kraft läßt keine Wahl.

 

Nunmehr zählt die Zeit Millionen

Jahre ohne Unterlaß.

Der Zusamm’hang scheint zu lohnen.

Jeder Stern ein volles Faß.

 

Und um eine Sternenmitte

kreisen nun Planeten gar.

Einer davon ist der dritte,

der sich abkühlt Jahr für Jahr.

 

Vier Milliarden sind vergangen.

Jetzo scheint der Erdball reif,

daß in Tümpeln abgehangen

langsam wächst der Lebensschweif.

 

Tastend schiebt sich aus dem Wasser

Stück für Stück die neue Form.

Manchmal schön und manchmal krasser.

Oh! Der Vortrieb ist enorm.

 

Die Natur hält alles offen.

Jede Art hat ihre Chance.

Doch vom Wechselrad betroffen,

ist nur knapp die Toleranz.

 

Große Tiere sind erschienen.

Meer und Land sind proppenvoll.

Wald und Steppe sieht man grünen.

Wenn auch zehrt der Auswahl Zoll.

 

Ständig ist ein Kommen, Gehen.

Ständig schwankt die Artenzahl.

Und gleichsam der Säuger Wehen

springt heraus des Menschen Mal.

 

Wo nun stehn wir im Gefüge

der erwachten Ewigkeit?

Wohin treiben uns die Züge?

Was hält Zukunft uns bereit?

 

Sind wir einsam an der Spitze?

Sind wir aller Dinge Maß?

Oder füll’n wir nur ’ne Ritze,

wie im Asphalt grünes Gras?

 

Vieles wird nach uns noch kommen.

Manches nicht zu unsrem Glück.

Nutzen wir des Daseins Wonnen.

Nutzen wir den Augenblick.

 

Gleichsam ob die Welt sich weitet,

ob die Sterne ewig glüh’n,

was Geschichte uns bereitet;

uns bleibt nur uns zu bemüh’n.

   

[2008]

Frühlingssonett

Und ist es nicht der Frohnatur zu eigen,

mal gleichsam gleich und dennoch auch verschieden,

scheint manche Lust im Blute ihr zu liegen,

wie auch sich selbst von neuem neu zu zeigen.

 

Mitunter treibt sie es so ziemlich heiter.

Bemüht nackt in der Welt sich einzugeben

und ausstaffiert mit einem neuem Leben

eilt sie geschwind zur nächsten Himmelsleiter.

 

Dort schwingt erfüllt vom himmlischen Genuß sie,

in weiten Zügen gleich einer Sinfonie,

den Pinsel breit und vollgetränkt mit Farben

 

und viel Gefühl übers jungfräuliche Land;

dort wo bis zuletzt ein alter Schneemann stand

und manche alte Leier, alte Garben.

[2008]

Auf dem Bauernhofe

Mit einem leeren Magen zog

einst Schweinchen Max zum Futtertrog.

Dort schlang es frei nach Schweinebrauch

was es bekam in seinen Bauch.

 

Von nebenan, mit stoischer Ruh,

sah Felix, Bauers Kater, zu.

Selbst wenn dem tropfte mancher Zahn,

war er zu stolz für Schweinekram.

 

Derweil auf jenem großen Haufen

sah jedermann die Hühner raufen.

Sie stritten sich um einen Wurm.

Den Hahn ergötzte es enorm.

 

Auch Hugo an der Hundeleine

gab dieser Aufruhr keine Beine.

Er spielte zwar mit seinen Zähnen,

doch letztlich war’s ein müdes Gähnen.

 

Genauso träge war indessen

die Kuh bei ihrem Wiederessen.

Sie mahlte ihre alte Speise

auf jene altbekannte Weise.

 

Eurydike, die fromme Stute,

verbrachte derzeit die Minute,

von der sie mehrfach noch besaß

gemütlich unterm Baum im Gras.

 

Hinter diesem sah zuweilen

man ’ne ganze Herde eilen,

um dann stur zu steh’n und brav,

wie es üblich ist beim Schaf.

 

Blökten sie auch ziemlich träge,

glich der andre Ton ’ner Säge.

Einer Säge hinter Gattern,

dort wo Bauers Gänse schnattern.

 

Auch die Enten im Vereine

stimmten ein im Sonnenscheine.

So erklang beim Federvieh

’ne Geflügelsinfonie.

 

Und als fehlten noch die Bässe,

gurrten Tauben auf der Esse.

Flogen auf und kamen wieder,

zupften reinlich am Gefieder.

 

Alles war so wie es sollte,

grad als Bauer Lehmann rollte

mit dem Fuhrwerk jetzt heran.

Lotte, Liese als Gespann.

 

Hugo, diesem alten Degen,

kam die Ankunft sehr gelegen.

Sprang laut bellend er hervor

aus der Hütte dort am Tor.

 

Auch die Hühner, die verzankten,

warn jetzt einig und bedankten

sich für das geworfne Futter

gleich wie Möwen bei ’nem Kutter.

 

Selbst der Kater fragte sich:

Hat der Bauer was für mich?

Warum soll ich Mäuse jagen?

Ich, in meinen alten Tagen.

 

Somit Mieze sich bequemte,

derweil überhaupt nicht schämte,

um des Bauern Bein zu schleichen

und miaute ohnegleichen.

 

Lehmann war ja abgestiegen,

um zu schauen nach den Ziegen,

die er heuer mitgebracht

zwecks des Käses Küchenmacht.

 

Bislang waren sie gebunden

miteinander seit zwei Stunden

in dem kleinen Ein-Achs-Wagen.

Ob’s gefällt, kann keiner sagen.

 

Doch nun war der Mann gekommen,

hatt’ die Kette abgenommen,

sie aus ihrem Joch befreit.

Auch die Wiese war nicht weit.

 

Ach, wie sah man sie nun springen.

Könnten sie’s, sie täten singen.

Aber auch auf ihre Weise,

zog die Freude weite Kreise.

 

Soweit bis zu Lehmanns Schafen,

die sich wie gewöhnlich trafen

zu der schafgerechten Runde,

um zu sehen diese Kunde.

 

Augenblicklich arrangiert

ward die Wiese neu geviert.

Hier und hier war Schafterrain.

Dort und dort der Ziegengang.

 

Unser Bauer unterdessen

hat die Schimmel nicht vergessen.

Führte beide sanft am Zügel

zu der Tränke dort am Hügel.

 

Auch des Landmanns dritte Stute

hat mit ihrer eignen Schnute

selber sich den Wunsch erfüllt

und den Durst gleich mitgestillt.

 

Heu gab es jetzt aus der Krippe

und Getreide mit der Schippe

in den Futtercutter rein.

Für die Hasen bitte fein.

 

Diese mümmeln hinter Gittern,

dort wo manche Mäuse wittern

manches leck’re Abendbrot.

Fauler Kater – Keine Not!

 

Doch was stand da auf dem Wagen?

Was war in der Schachtel Magen?

Wofür waren gut die Löcher?

Welch Gefahr kam ins Gemächer?

 

Ahnte Felix gar mit Grausen,

daß sein Leben nur mit mausen

er als Kater nicht erhält?

Seine Zeit nun langsam fällt?

 

Solche Worte sind mitnichten

Katzeneigen und Geschichten,

die manch andres laut verkünden

sind im Märchen nur zu finden.

 

Für der Tiere kleine Welt

zählt kein Ruhm und zählt kein Geld.

Für des Bauers Menschenbein

muß es schon was beßres sein.

 

Und so hat er mit Bedacht

seiner Frau was mitgebracht.

Ein paar Kätzchen, weiß und weich,

für das Haus, den Hof, ihr Reich.

 

Das war nun die rechte Freude,

die im Hause herrschte heute.

Auch der Wellensittich Franz

stimmte ein in diesen Tanz.

 

Gab von sich noch ein, zwei Töne.

Mutter meinte: „Ach, der schöne.“

Dann bedeckte sie das Gitter.

Draußen nahte ein Gewitter.

 

Das war klar des Schicksals Wende.

Nun bedurft es Menschenhände,

um zu sichern all das Draußen,

wenn die Wetterwinde sausen.

 

Wollt man Schlimmes noch abwenden

mußten Schafe, Ziegen, Enten

ziemlich flugs mit all dem andern

Viehzeug in die Ställe wandern.

 

Und schon fielen erste Tropfen

ohne vorher anzuklopfen

mit der Macht der Himmelsgötter.

Hier gibt’s keinen eitlen Spötter.

 

Blitze zuckten fast dämonisch

und der Donner grollt harmonisch

hinterdrein im Wettersturm.

Alle Tauben längst im Turm.

 

Gegen dieses Orkanbrausen

stemmten sich in Lehmannshausen

beide Bauernleute an,

bis man’s Ziel, die Tür, gewann.

 

Drinnen konnten sie nur hoffen,

daß auch nicht das Kleinste offen,

nicht der kleinste Spalt vergessen.

Denn der Sturm ist drauf versessen.

 

Stunden zogen träg und müde.

Lehmans Frau, „Du meine Güte“,

sprach sie und begann zu schauern,

„soll das denn noch lange dauern?“

 

Grad so als hätt’ das vernommen

Petrus in dem Reich der Sonnen,

schickte er auf seine Weise

einen Sonnenstrahl auf Reise.

 

Dieser mit der Macht des Warmen

hat mit Chaos kein Erbarmen,

schob die Wolken schnell beiseite

und sorgt so für Lebensfreude.

 

Nicht nur in des Lehmans Heim

glühte langsam Hoffnungschein,

daß nach dieser Finsternis

alles überstanden is’.

 

Jetzo wurden Fensterladen

aufgerissen und im faden

Zimmer drin wird’s langsam lichter.

Heller nun auch die Gesichter.

 

Schnell die Stiefel angezogen

und auf der Erwartungswogen

eilten beide aus dem Haus. –

Gar zu grausig sah ’s nicht aus.

 

Das was sich dem Auge bot

stand noch alles, war im Lot.

Auch die Tiere im Verschlag

überlebten diesen Tag.

 

Nur ein wenig dort im Garten,

leicht verwüstet, mußte warten

auf den nächsten Ratsbeschluß.

Jetzt gab’s erst mal einen Kuß.

 

Hand in Hand die beiden Leute,

heimwärts ging es, denn für heute

gab’s an Spannung reichlich gut.

Weg war nur des Bauern Hut.

[2008]

Der Geizhals

Es war mal ein Geizhals aus Bremen,

der wollte sich deshalb nicht schämen.

Das verdroß seine Tante

und andre Verwandte.

Nun mußte er geldlos sich grämen.

[2008]

Anstandslos

Max Meier, gebürtig in Hagen,

dem ging es ganz schön an den Kragen,

weil er haben das wollte,

was er tunlichst nicht sollte,

zu nehmen was, ohne zu fragen.

 

[2008]

Die Nase

Bei mir wohnt ’ne Frau in der Straße.

Die hat eine niedliche Nase.

Doch will ich sie necken

und kurz daran schlecken,

ist fort sie so schnell wie ein Hase.

 

[2008]

Ritterlich

Um die fromme Hilde aus Düren

auf ihrer Burg zu verführen,

erbat sich ein Ritter

kurz vor dem Gewitter

den Einlaß an all ihren Türen.

 

[2008]

Bauernwirtschaft

Ein fauler Bauer aus Regen,

den konnte kein Regen bewegen.

Auch bei Sonnenscheine

kam er nicht auf die Beine

und hat bald im Sarge gelegen.

 

[2008]

Pech gehabt

Es schrieb mir ein Mädchen aus Füssen,

es würde mich so gerne küssen.

Doch als ich sie sah,

war ein andrer schon da.

Nun werd’ ich allein schlafen müssen.

[2008]

Rätsel vom bekannten Land

Weißt du mir einen wohlbekannten Berg zu nennen,

der wechselhaft mit Wald und Flechten sich bedeckt?

Nur schwarz und braun und rot scheint er zu kennen,

denn gar zu selten ist mit grüner Farbe er befleckt.

 

Und Gruben, Löcher hat er nicht zu wenig.

Hier nenn ich zwei, worin laut dröhnt der Widerhall.

wenn sich um diesen Hügel wie ein eitler König

das Luftgemisch vergnügt mit lautem Schall.

 

Auch zeigt der Berg auf königgleiche Weise

zwei Edelsteine frei und nicht versteckt.

Sie leuchten, funkeln im ovalen Kreise

als hätten sie was keckes ausgeheckt.

 

Inmitten dieser beiden farbenfrohen Steine

verneigt ein Felsvorsprung sich tief der Erde zu.

Schaust aufwärts kniend du, so siehst du kleine

Kreise, worin es herrscht mitunter keine Ruh.

 

Jedoch kein Gleichnis sind sie jener Höhle,

die gähnend weit sich unterm Sprung erstreckt.

Wer unbedarft hineingelangt, dem seine Seele

sich schaudern hinter manchem Felsen steckt.

 

Grad diese Felsen, welche so gewaltig scheinen,

als seien es Tropfgesteine in der Grotte Joch,

vermögen, daß verletzte Götter weinen,

wäre da mitunter nicht das eine oder andre Loch.

 

Beachtlich wirkt hinzu in dieser Säulenmitte,

als sei er von Natur aus mit Bedacht gesteckt,

ein breiter Wurm, der gern wohl aus der Höhle ritte,

hätt’ Schicksals Wille diese Flucht bezweckt.

 

Oh! meinst du wohl, das sei es jetzt gewesen,

des Rätsels sinngesetzter Reim und Witz.

So irrst du dich, noch viel ist nicht gelesen.

Drum harre still auf deinem Ratesitz.

 

Bedenke nun, wie oftmals Gischt die Flur umspülen,

die vor uns liegt durch Tag und Nacht gescheckt.

Manch Zeugnis ließ der Zeitenbesen fühlen.

Des Chaos Tafel stets ist reichlich gut gedeckt.

 

Besagter Berg, ’ne Insel ist’s, der Felsen,

ruht wohl gesetzt und balanciert auf breitem Stamm

und schaut, gleich wie zwei Gletscher schmelzen

beidseitig schmale Hänge an dem schmalen Kamm.

 

Auch Lavastrom könnt’ Gletscherzunge heißen.

An ihren Enden sind zu fünft sie hingestreckt.

Wie Zwillinge, die mal getrennt auf Eisen,

zu ahnen das, was keins von beiden je entdeckt.

 

Nicht nur betrachten, gleichsam fast berühren,

so scheint es, möchten sie die ganze Welt.

Wie einst der Paris konnt’ die Helena verführen

nachdem der Apfel ihn vor jene Wahl gestellt.

 

Nun zwischen diesen beiden angezeigten Hängen

ist wiederum ein reich beschenkter Hain gereckt.

Von einer Größe, kaum eine Kraft kann zwängen

ihn in ein Tal mit wenig Wuchs und Schmutz bedeckt.

 

Was für ein Höhenzug, welch Tafelberggefüge,

das eben und auch bergig vor uns liegt.

Sprächst du jedoch von Kanten, wär’s ’ne Lüge.

Ein Krater nur sieht jenen Hauch, der drüber fliegt.

 

Ein Hauch, der manchmal leise weht von Süden.

Aus einer Spalte, die nicht Luft nur, hartes heckt.

Und knapp davor sieht man ’ne Öffnung brüten,

die freilich sittsam aus ’nem Wäldchen leckt.

 

Doch jede Herrlichkeit hat auch einmal ihr Ende.

So teilt sich schließlich hier der Fels in zwei.

Was einst begann am Walde, an des Berges Wende,

das sinkt hernieder; das eine ist als eins vorbei.

 

Gleichsam der jüngst benannten Zwillingsbrüder

entsprangen zwei, kaum daß sie warn erweckt,

grad in der Art der strammen jungen Hangesbrüter

in trauter Einheit; getrennt doch parallel gestreckt.

 

Jetzt sag geschwind, wie soll man dieses heißen.

Welch Namen trägt dies sonderbare Land?

Ich glaube schon, oft schaust du dies auf Reisen

und brauchst zur Deutung gar nicht viel Verstand.

 

[2008]

Mitnichten

Mitnichten flog vom Walde her

ein schwarzer Vogel groß und schwer.

Viel eher war er klein und zart,

trug weiße Federn wie ein Bart.

Des weitren trug er ohne gleichen

wie andre Vögel Gattungszeichen.

So wirkt sein Kleid gar wie aus Haar,

nennt Pudelspatz er sich sogar.

 

Mitnichten trägt auf seinen Zweigen,

bedächtig wiegt er sanft wie Geigen

ein Fiedler sich ein jedes Jahr,

der Baum hier Blatt und Nadel gar.

Ursprünglich kommt er aus den Anden,

wo Nahrung seine Wurzeln fanden

in ’nem Gemisch aus Moos und Schiefer.

Ich nenn ihn freiweg Kaktuskiefer.

 

Mitnichten stammt nun Nummer drei,

auch bin ich ernsthaft schnell dabei,

aus südlich heißem weitem Lande

und wuchs auch nicht auf rotem Sande.

Gleichwohl den Wissenden zu ehren,

zerschneid ich Wahrheit oft mit Scheren

und breit sie aus wie eine Flunder.

Sag argentinischer Holunder.

 

[2008]

Ruprechts Tanne

 

Durch den weißen Winterwald

stapft Knecht Ruprecht, der schon alt.

Sucht für sich ‘ne Tanne aus.

Bringt sie reich geschmückt nach Haus.

 

Ist behängt mit Gold und Zier.

Aber auch für ’s Waldgetier

findet man manch Futter vor

an des alten Waidmanns Tor.

 

Körner, Rüben, frisches Heu.

Selbst ein Wurm ist mit dabei.

Für die Knaben Trommeln, Spritzen.

Puppenkinder können sitzen

 

in der braven Mädchen Schoß.

Jeder freut, ob klein, ob groß,

sich auf Weihnachten gewiß,

weil das Sitte eben is‘.

 

[2009]

Frühlingsbilder

 

Weil nun die Wiesen grün sich zeigen
und auch das Lächeln himmlisch winkt,
weil ohne Zweifel in den Zweigen
die Vögel zwitschern unberingt,
weil das Motorrad glänzt und funkelt,
ist er nun da. Man kann es sehn.
Vom Frühling wird nicht nur gemunkelt.
Der Winter mußte heimwärts gehn.

 

[2010]

Kleiderordnung

 

Was kleidet heute mich am besten?
Am Wäscheschrank schau ich nach Westen.
Blick nach oben, unten, Osten.
Manche Sachen fast schon rosten.

Greife dann nach einer Hose.
Auf dem Po gestickt 'ne Rose.
Nein, die ist mir viel zu klein.
Wie kann das denn wieder sein?

Paßt der graue Rock zur Bluse.
Neulich erst trug sie die Suse.
Doch das sah nicht wirklich aus.
So geht man nicht aus dem Haus.

Strümpfe, Schuhe, Schals und Mützen.
Langsam komme ich ins Schwitzen.
Ist denn nichts hier mal aus Lack?
Oder Seide? Nichts als Sack!?

Nackt noch stehe ich hier rum.
Ach, das ist mir doch zu dumm.
Mach die Augen zu und greife
erst mal nach 'nem Stückchen Seife.

Dieses duftet nach Lavendel.
Singe leis‘ ein Lied von Händel
und entschließe mich dann schnell.
Diesen Hut eventuell?

Nein, auch das ist keine Freude.
So mach ich heut keine Beute.
Stoße mich dann noch am Zeh
und erkenne: Ach, herrje!

Diese Auswahl, die mir offen,
ließ mich irrtümlich drauf hoffen,
daß ich etwas kleidsam finde.
Doch es ist der Schrank vom Kinde.

 

[2010]

In Nachbars Garten

Wenn man von fern nichts sehen kann,
dann geht man eben näher ran.
So sieht man, was man sonst nicht sah
und kommt der Wahrheit ziemlich nah.
Manchmal jedoch ist das nicht schön.
Der Wunsch liegt nah, sie nicht zu sehn.

Doch oftmals täuscht der erste Blick.
Dann geht man eben schnell zurück
Hingegen, wenn das Bild nicht trügt,
wenn es nicht schwindelt oder lügt,
dann hat man, was man haben will;
'ne Antwort laut mal und mal still.

Als ich einmal als Schmetterling
mit Lust im Kopf an Blüten hing
und mir die Welt im Sonnenschein
betrachtete fiel mir gleich ein,
daß hier in diesem grünen Garten
viel mehr als bunter Blüten warten.

Da war zum Beispiel Nachbars Frau,
erinnern kann ich mich genau,
die sich ob ihrer Weiblichkeit
gesonnt hat just zur Frühlingszeit.
Ein rotes Korsett trug das Weibchen,
geschnürt recht eng ums Wespenleibchen.

Dann trug sie noch der Schuhe zwei
aus rotem Leder. Heels ganz high.
Sie lag auf einem warmen Stein,
entspannt von sich gestreckt ein Bein.
Das andre ruhte auch sich aus.
Selbst für 'nen Falter Augenschmaus.

Gerade, als ich dann wegflog,
sie mich mit ihrem Blick anzog.
Ich kam nicht fort und wollt's auch nicht.
Ihr Zauberblick hat viel Gewicht.
Hätt ich 'nen Wunsch, ich Flattertier,
wär gern die Säule neben ihr!

Dann lag sie auf Triumphes Stufen,
gerade so als sei gerufen
sie von der hehren Götterschar
zu präsentieren goldnes Haar
und ihren schön gestylten Busen,
damit die Götter daran schmusen.

Sobald der warme Sonnenschein
gehüllt sie hat vollkommen ein
und mancher sanfte Hauch vom Winde,
als ob das wäre eine Sünde
hebt sie zum Himmel rauf den Blick
und schwebt in ihrem größten Glück.

Um zum Beginn zurück zu kommen,
der Blick, verboten, war verschwommen,
weil zwar im Garten nebenan
man süße Früchte naschen kann,

jedoch ist oftmals falsch der Schein.
Drum lob ich mir die Kost daheim.
 

[2010]

Jahreswetter

 

Weil die Frühlingssonn‘ sich mühte,

Vögel zwitschern im Geäst,

blieb von Winters weißer Güte

nur ein schmutzig-grauer Rest.

 

Damals, in Dezembers Tagen,

glaubte man dem Wandel kaum.

Den Kalender mußt du fragen.

Bunt ist jeder Jahresbaum.

 

Flockenwirbel, Blütenblätter,

kunterbunt des Herbstes Laub.

Ebenso wechselt das Wetter.

Was einst groß war, wird zu Staub.

 

Nun, heute wollen wir beschreiben,

bevor man sich in Schweigen hüllt,

ob Sonnenschein kann immer bleiben,

oder ob sie uns dadurch grillt.

 

Vielleicht mag auch in manchen Kreisen,

das sei mal so dahingestellt,

der Schatten erst das Licht beweisen.

Der Gegensatz als Lauf der Welt.

 

Nun denn, laßt uns das Jahr beginnen,

mit viel Tamm Tamm und Holdrio,

bevor die Zeit uns wird verrinnen.

Im Alter ist das immer so.

 

Im Januar, wie jeder weiß,

fällt Schnee und Wasser wird zu Eis.

Das ist für Autofahrer schlimm,

doch für Natur mitunter in.

 

Im Februar, das ist bekannt,

hat selten man den festen Stand.

Doch bald schon in des Jahres Märzen,

erwärmt das Klima unsre Herzen.

 

Wenn Blüten sich mit Bienen paaren,

dann weiß der Imker schon seit Jahren

daß Honigernte gut gelingt

und ihm recht viel zum Nutzen bringt.

 

Das Sprichwort sagt von dem April,

daß oft er nicht weiß, was er will.

Jedoch das weiß er ganz genau.

Und darum ist der Monat schlau.

 

Vom Monat Mai hingegen spricht

man oft als wahres Wonnelicht.

Dies allerdings fällt ihm meist schwer.

Drum muß der Mensch selbst halten her.

 

Im Juni sind dann glatt die Wogen,

die erst das Wetter hat verbogen.

Auch der Juli, des Junis Bruder,

zeigt sich zuweilen als ein Guter.

 

Der August hat mitunter Freude

an heißer Luft und Mückenbeute.

Er läßt uns Menschen kräftig schwitzen,

daß der Schweiß läuft in allen Ritzen.

 

Septemberwetter läßt hingegen

die Bauersleut‘ sich fleißig regen,

daß Korn und Stroh sei rasch geborgen,

um so zu meiden Wintersorgen.

 

Auch im Oktober sieht man schaffen

die Leute, denn anstatt zu gaffen

nach goldnen Äckern, grauem Himmel,

schützen die Frucht sie vor dem Schimmel.

 

Denn der November kommt recht bald.

Schon wird es draußen ziemlich kalt.

Der Wind bläst durch manch dünne Seide

und manche Blätter in die Weite.

 

Dann schließlich naht Dezembers Ende.

Frieren uns auch nicht nur die Hände,

so freuen wir uns auf die Ruhe,

wenn gut gefüllt der Mühe Truhe.

 

So sieht man, daß zu allen Zeiten,

wie man das Leben auch begeht,

die Jahreswetter uns begleiten,

ganz gleich, wie es um uns auch steht.

 

Und wenn der andre und der eine

auch meint, ihn trifft das Schicksal hart,

dann vergißt er im Sonnenscheine

zu schätzen, wenn es küßt ihn zart.

 

Ich will mich diesem nicht ausschließen.

Auch mir ist hin und wieder gram,

wenn Ungemach ins Kraut will schießen.

Doch heute Abend bin ich zahm.

 

[2010]

Die Kleinbahn

 

Von Wallwitz fuhr ’ne Kleinbahn ab.
Bis nach Wettin,zur Saale.
Mal ging’sbergauf, mal ging’s bergab,

mal längs dem Götschetale.

 

Gebaut ward sie durch vieler Hand,

bezahlt aus vielen Taschen.

Und transportierte meistens Sand.

Auch Leute mit Gamaschen.

 

Selbst Kohle, Rüben und Getier

sind einst die Fracht gewesen.

Aus dieser Zeit, das wissen wir,

gibt es nicht viel zu lesen.

 

Wollt‘ damals man mit jenem Zug

die nahe Welt bereisen,

so mußte man, das ist kein Lug,

bergan gehn zu den Gleisen.

 

Die Güter wurden auf Niveau

der Fernbahn umgeladen.

Man sieht heut’ nicht mehr dieses Wo.

Kaum Spuren von den Pfaden.

 

In einem schlanken Bogen dann

und über eine Brücke

ging es hinauf zum Chausseedamm.

Wer’s weiß, ahnt manche Stücke.

 

Ein Bahnhof war das nächste Ziel.

Morl stand zwar drauf, verwegen.

Zu Beidersee gehörte viel.

In Sylbitz hat’s gelegen.

 

Schon hatte man den Zweck erreicht,

weshalb der Zug gekommen.

Mit Formsand gießt es sich ganz leicht,

der reichlich ward gewonnen.

 

Doch heute setzt die Reise fort,

der Zug mit seinen Wagen.

Gedanklich zieht’s uns an den Ort,

wo Ritter früher lagen.

 

Nun ging es wieder querfeldein,

vorbei an Feldern, Wiesen.

Am besten, man reist nicht allein,

will man die Fahrt genießen.

 

Der Bahnhof Görbitz kam in Sicht,

einsam auf weiten Fluren.

Von Gimritz sah man selten Licht,

weil sie am Tage fuhren.

 

Jetzt wieder führt abwärts der Weg,

durch alte Porphyrspalten.

Verwachsen ist heut mancher Steg.

Nichts bleibt uns so erhalten.

 

Erhalten blieb ein altes Haus,

drin einst die Templer wohnten.

Die Schienen liefen gradeaus

vorbei, wo diese thronten.

 

Heut sieht man manche Reste noch,

an beiden Seiten Steine.

Die Brücke fehlt indes jedoch

in Müchelns Sonnenscheine.

 

Dann querte die Bahn unbeschrankt

noch jene Durchgangsstraße.

Am Ziel hat man sich dann bedankt

mit Saaleduft verwöhnter Nase.

 

Erreicht war Wettin jetzt zum Schluß.

Der Stammsitz alter Sachsen.

Ich winke mit der Hand als Kuß;

der alten Zeit entwachsen.

 

Das Auto bringt uns schnell voran.

Durcheilt die Welt im Fluge.

Doch manchmal denke ich daran:

Gemütlich war’s im Zuge.

 

[2011]

Sturm am Meer

 

Rauschend türmt sich Well‘ an Welle.

Sturmgepeitschte Möwen schrein.

Donnerwolken, wo einst helle.

Erste Blitze schlagen ein.

Schutz sucht sich des Menschen Habe.

Jeder Hafen ein Versteck.

Daß das Meer nicht wird zum Grabe,

heißt es jetzt: All hands on deck.

 

In den Wanten die Matrosen

hangeln sich zum Mast empor.

Ihre ölgetränkten Hosen,

deuten an den Shantychor.

Doch zum Singen ist beileibe

niemand hier grad aufgelegt.

Auch die Lust nach einem Weibe

hat das Wetter weggeweht.

 

Kiefern beugen sich zum Lande.

Jede Lüge ausgeträumt.

Schilfgras hält sich fest im Sande.

Fortfliegt, was den Halt versäumt.

Wer weiß, wieviel Kilometer

sich das Unheil einverleibt.

Der Mensch neigt sich vor dem Täter,

hofft, daß noch was übrig bleibt.

 

Doch so schnell, wie es gekommen,

ist vorüber oft der Spuk.

Die Natur steht auf, benommen.

Wer vorsorgte, gilt als klug.

Denn wer denkt, er sei der Stärkste,

hat von vornherein verspielt.

Jedem droht einmal das Ärgste,

ganz gleich, ob Fortuna schielt.

 

[2011]

Ein Sommertag

 

Sommer,Sonne, Sonnenschein!
Was fällt mir dazu jetzt ein?
Badesachen an und aus.
Rein ins Wasser, wieder raus.
Eis am Stiel und Kaltgetränke.
An ‘ne Bockwurst ich auch denke.
Sonnenbrillen muß man haben.
Sonnenmilch in diesen Tagen.
Hautschutzfaktor allemal.
Sonst der Abend wird zur Qual.

Viele schöne junge Damen,

Burschen mit Waschbrettbauch kamen.

Schwach bekleidet an dem Strande,

liegen sie im heißen Sande

auf Matratzen, die mit Luft

prall gefüllt sind. Und der Duft

vom mitgebrachten Mückenspray

treibt die Biester weg vom See,

daß sie anderswo sich laben,

an dem Blut, das gern sie haben.

 

Dann, als müßt man sich beweisen,

alle sich ins Wasser schmeißen.

Ob mit Ball oder mit ohne,

sieht man Väter mit dem Sohne,

Mütter, die den Töchtern sagen,

sie soll‘n sich nicht zu weit wagen

zu den jungen Burschen hin.

Denn, man kennt ja deren Sinn,

sich mit Mädchen zu vergnügen.

Hab ich Unrecht? Tu ich lügen?

 

Andernorts, an gleicher Stelle,

mal ganz langsam, manchmal schnelle,

sieht man auch verliebte Pärchen,

die sich küssen wie im Märchen.

Haben sich im Mai gefunden

und genießen nun die Stunden,

bis es heißt sich zu entscheiden,

ob man sich kann länger leiden.

Oder ob es nur ein Traum,

süß wie Speiseeis und Schaum.

 

Aber auch der Einzelgänger

hält‘s am Strand aus nicht mehr länger.

Schwimmt wie’n Hai um Mädchenköpfe.

Hofft zu knüpfen Freundschaftszöpfe.

Diese sind indes versessen

Streß und Alltag zu vergessen.

Haben Spaß in kühlen Wellen,

bis am Himmel Wolken quellen.

Sie verheißen nicht viel Gutes.

Wer jetzt bleibt, ist schlechten Mutes.

 

Schnell springt deshalb jedermann

aus dem Wasser, daß er kann

seine Sachen rasch z‘sam packen.

Schon von fern des Blitzes Zacken

und des Donners dumpfes Grollen.

Da ist wirklich nichts zu wollen.

Alles rennt in Sicherheit.

Regentropfen sind nicht weit.

Unterstellen ist jetzt Pflicht,

soll nicht aus, das Lebenslicht.

 

Prasselnd rauscht es schon hernieder,

wovon es gibt reichlich Lieder.

Dampfend dann der Dunst sich hebt

über Straßen, Wiesen weht

allbekannt etwas Ozon.

Das Gewitter ist weg schon.

Nur von Weitem hört man‘s grummeln.

Zeit nach Hause hin zu bummeln,

wo, das ist so keine Frage,

klingen aus, die Sommertage.

 

Nun, die einen wollen grillen,

um den Appetit zu stillen

mit perfekten Steaks und Wurst,

und verschiedentlich den Durst.

Nicht so sehr die jungen Leute.

Tanzen, rocken, poppen heute

bis in später Sommernacht

sie der Vollmond still bewacht.

Weil der Tag geht so zu Ende,

ruhen nun auch meine Hände.

 

[2012]


Der Kranich

 

Ein Kranich flog einst über'n Teich.
Da zog ich ganz gewandt sogleich
die Kamera aus meiner Tasche,
daß ich ein Bild von ihm erhasche.
Ich stellte ein und fokusierte,
Belichtungszeit und optimierte
den Weißabgleich und Blende acht,
weil man bei Sonnenschein das macht.
Die Sensorpunkte brav gesetzt,
den ISO-Wert auch nicht zuletzt.
Dann aufs Stativ, damit nichts zittert.
Der Goldne Schnitt noch schnell vergittert.
Doch nach der ganzen Fummelei,
war längst der Kranich weg, vorbei.

[2012]

Frühlingssonett - II

 

Wenn lang ersehnt der Frühling sich nun zeigt,
mit den verschiedentlichsten ersten Blüten,
dann kann der alte Winter noch so wüten.
Der Schlußakkord der Stille wird gegeigt.

Manch Frohnatur mit Blumen vor dem Bauch,
mit Schubkarre oder auch andrem Wagen,
wenn es zu schwer ist, um sie schlicht zu tragen,
erscheint, wie auch ein ewig grüner Strauch.

Verzierte Mühlenflügel drehen,
man kann sie schon von weitem sehen,
sich hoffnungsvoll im halbwegs warmen Wind.

Und Bänder, Kränze, ebenso geschmückt,
noch jungfräulich an jedes Herz gedrückt,

zeigen, daß wir doch Frühlingskinder sind.

 

[2013]

Gartenarbeit

Wohl dem, der einen Garten hat.
Der findet stets Motive satt.
Er kann just aus dem Vollen schöpfen
und braucht nicht Rosen, Tulpen köpfen.
Muß nicht zum Blumenhändler laufen,
um dort Modelle sich zu kaufen.
Doch soll er auch den Boden pflegen,
darf düngen, gießen, Pflanzen hegen.
Hat Störendes gezielt zu rupfen
und hier und da das Unkraut zupfen.
All das, wenn ich's mir recht bedenke,
ich lieber doch dem Gärtner schenke.

 

[2013]

Entspannung auf der Insel

 

Nach Sturm und Regenjammer
zog es uns Rügen zu.
Dort, nah der Stubbenkammer,
zu finden Rast und Ruh.

In Lohme hat gelegen
das stille Domizil.
Das kam uns sehr entgegen;
Entspannung braucht nicht viel.

Auch wenn von wilden Wogen
umspült der Schwanenstein,
war’s still am Eckstein oben.
Drum ging es uns allein.

Hier zwischen Kap Arkona
Und jenem Königstuhl,
fern ab des Kampfs Korona,
war es nur einfach cool.

 

[2015]

Unheil am Meer

( Frei nach einer wahren Geschichte aus dem Jahr 1956, entnommen einer Schautafel vor Ort. )

Kommst du mal hin nach Lohme,
an Rügens Waterkant,
triffst du auf einen Findling;
der „Schwanenstein“ genannt.

Der Fels, seit ew’gen Zeiten,
dient diesem Strand als Zier.
Unweit der Kreideböschung
liegt er noch heute hier.

Er kündet von viel Schmerzen,
die jener Ort gebar.
Von tragischer Geschichte
Vor mehr als fünfzig Jahr.

Die See ist sanft und eben
und schon ein wenig weiß.
Die Wogen sind geglättet
von einer Schicht aus Eis.

Da ziehen just am Morgen
vom nahen Orte her
mit Tatendrang geboren
fünf Burschen an das Meer.

Sie singen und sie lärmen
mit Stock und Stein gar viel.
Erfreuen sich des Winters
mit jugendlichem Spiel.

Schnell ist das Eis betreten.
Es hält die kleine Schar.
Manch Mahnung sie verwegen
vergessen ganz und gar.

Da schlägt das Wetter plötzlich
und ohne Warnung um.
Das Eis, es bricht nicht wenig.
Der Kinder Schrei bleibt stumm.

Nur zwei der fünf gelingt es
zu springen an das Land.
Die andren drei ersuchen
den Schwanenstein um Stand.

Weil selbst das nahe Ufer
wird nimmerfort erreicht.
Mit sturmgepeitschen Wogen
die Höllensee nicht weicht.

So stürzen ganz verzweifelt
die beiden Jungs hinauf
zum alten Badeorte
und jede Tür springt auf.

Ein jeder eilt zu helfen,
mit Vater-, Mutterherz.
Mit Stangen und mit Seilen
und Flehen himmelwärts.

Doch alle Müh verloren.
Man kommt nicht an den Stein.
Derweil auf eis’gem Felsen
die Kinder ganz allein.

Da ruft man rings im Lande
nach noch mehr Hilfe aus.
Und alle, alle kommen.
Niemand hält es Zuhaus.

Vom nahen Fischerhafen,
gar Panzer, Militär.
Selbst durch die Luft geflogen
von fern Berlin hierher.

Doch alles Mühen, Wagen
bringt ihnen Rettung nicht.
Der Tag vergeht mit Tosen
und manche Fackel bricht.

Erst als am nächsten Morgen
die Sonne wieder scheint,
ist jener Sturm verzogen.
Der Menschen Seele weint.

Nun kann man zu dem Felsen,
wo das Unglück stattfand,
zu bergen die drei Knaben
als Eis – doch Hand in Hand.

 

[2015]

 

Schwanenstein in Lohme / Rügen

fotografiert am 19.1.2015

 

 Auf dem Balkon

 

Ich stehe hier auf dem Balkon.
Der Schnee ist nunmehr fast davon.
Man sieht hier Möwen und auch Krähen.
Ob sie mich auch hier stehen sehen?
Die Straßenbahn fährt schnell vorbei.
Wie auch die Autos, mehr als drei.
Die Straßen sind gesäumt von Bäumen
und Häusern auch; drin Leute träumen.

Zuweilen kommt auf sanften Wogen
auch mal ein Flugzeug angeflogen.
Ein Hubschrauber zum Krankenhaus.
Er ladet dort Patienten aus.
Damit man sie schnell heilen kann.
Gleich ob es ist ‘ne Frau, ein Mann.
Und daß es mich nicht dahin ziehe,
geh ich nun rein, ganz ohne Mühe.

 

[2017]